Kreisgebiet. Die Scheidungsrate im Landkreis Nordsachsen ist wie im gesamten Freistaat in den vergangenen Jahren leicht rückläufig. In Sachsen werden jährlich mehr als 7000 Ehen von den insgesamt 30 zuständigen Familiengerichten geschieden, in Nordsachsen waren es stets um die 400. Nach dem Rekordjahr 1998, als in Sachsen mehr als 9330 Ehen vor Gericht endeten, sinkt die Zahl der Scheidungen seit 2004.
So auch in Nordsachsen. Im Landkreis ließen sich 2009 382 Paare scheiden, teilt das Statistische Landesamt in Kamenz mit. Die Zahlen für 2010 allerdings liegen den Datensammlern bislang nicht vor, noch muss gezählt und erfasst werden. Den 382 Paaren mit klarem Nein zueinander standen 2009 aber 901 Paare gegenüber, die sich das Ja-Wort gaben. Drei Jahre zuvor waren es in Nordsachsen noch 424 Paare, deren Ehen vor dem Richter endeten. Allerdings waren auch 270 Kinder von diesen Scheidungen betroffen. Ausschlaggebend für den Zwist allerdings scheint der alles verändernde Nachwuchs nicht zu sein: Mehr als 200 der 2009 getrennten Paare hatte keinen Nachwuchs, zehn Paare drei Kinder.
Wer schon eine lange Wegstrecke miteinander gegangen ist, wird in Nordsachsen scheinbar nicht so schnell entzweit: Gerade einmal ein Paar ließ sich im Jahr der Rubinhochzeit (40 Jahre Ehe) scheiden. Sieben Paare dagegen entschieden sich nach 30 gemeinsamen Jahren dazu, getrennte Wege zu gehen. 19 Ehen scheiterten nach 20 Jahren, sieben nach zehn Jahren. Während früher die Ehen stabiler wurden, je länger sie dauerten, ist auch die Silberhochzeit heute also kein Grund mehr, nicht doch noch auseinander zu gehen. Und doch folgt für viele schon wenige Jahre nach der Traumhochzeit, die Erkenntnis, dass der Prinz oder die Prinzessin wohl doch nur ein Frosch ist: 135 der 2009 geschiedenen Ehen gingen innerhalb der ersten zehn Jahre in die Brüche. Ganze 22 Paare erwischte es 2009 im verflixten siebten Jahr und immerhin 16 nach nur drei Jahren Zusammensein mit Trauschein. Nach gerade einmal einem Jahr mit Ring am Finger gingen zwei Nordsachsen mit ihrer Scheidung 2009 getrennte Wege - und zählten damit zu den zwölf sächsischen Kurzzeitpaaren, die 2008 noch Hochzeit feierten und im Jahr darauf schon nichts mehr miteinander zu tun haben wollten.
Die Trennungen gehen meist von den Frauen aus. 178 stellten 2009 den Antrag, bei den Männern waren es nur 100. Einer verzichtete dabei sogar auf die Zustimmung der Gattin, fünf Frauen gingen ohne Zustimmung ihres Mannes zum Scheidungsrichter. Aber immerhin 104 Paare waren sich doch zumindest bei diesem letzten Schritt noch einig und reichten die Scheidung gemeinsam ein.