Nordsachsen (TZ/dk). Aufgrund der demografischen Entwicklung sind zahlreiche Gemeinden in naher Zukunft gezwungen, sich zusammenzuschließen. Um den Gemeinden eine Entscheidung für den einen oder anderen Partner zu erleichtern, erarbeitete der regionale Planungsverband Leipzig/Westsachsen eine raumstrukturelle Analyse. Diese zeigt Beziehungen der Gemeinden untereinander im Bezug auf verschiedene Kriterien auf. Die TZ hat sich mit dieser Analyse, aus Schildauer Sicht, auseinandergesetzt.
Aufgezeichnet wurden unter anderem die raumordnerischen Erfordernisse. Ein Ziel sei es dabei, die zentralen Orte zu stärken. Besonders viel Wert legt der Verband dabei auf die Stärkung der Mittel- und Grundzentren in ländlichen Bereichen. Ziel soll es bei diesem Konzept sein, die Vorteile der ländlichen Region hervorzuheben und den Nutzen der Zentren auf die eingemeindeten Orte auszudehnen. Dabei sollen unter anderem die Ballungsgebiete für Arbeitsplätze unterstützt werden und in diesem Zusammenhang die Zahl der Auswanderer verringert werden. Torgau gilt hier als ein Mittelzentrum, Dahlen als ein Grundzentrum, aber auch die Stadt Belgern wurde als ein Ergänzungsstandort und Grundzentrum der Region dargestellt. Stärkend könnte sich Schildau in diesem Zusammenhang für Dahlen oder Belgern auswirken. Da sich das Zentrum Torgaus eher nördlich befindet, kämen hier andere Gemeinden zur Unterstützung in Frage.
Ein weiterer Punkt der raumstrukturellen Analyse wurde den Verflechtungen gewidmet. Dazu gehören unter anderem die Pendlerbeziehungen der Gemeinden untereinander. In einer Karte des Planungsverbandes werden die Pendler in Nachbargemeinden dargestellt. 51 Prozent aller Beschäftigten im Bereich des Planungsverbandes (Leipzig/Westsachsen) sind dabei Auspendler. Von ihnen fahren 23 Prozent zum Arbeiten in ihre jeweilige Nachbargemeinde. Ein Großteil der Beschäftigten aus allen Gemeinden um Torgau pendelt auch nach Torgau. So auch die Schildauer, mit etwa 40 Prozent der örtlichen Auspendler in Nachbargemeinden. Des Weiteren fahren knapp 30 Prozent der „Nachbarpendler“ aus der Gneisenaustadt nach Mockrehna. Umgekehrt sind es etwa fünf Prozent aus Mockrehna, die zum Arbeiten nach Schildau pendeln.
Neben den Pendlerbeziehungen wurden auch die infrastrukturellen Aspekte aufgezeichnet. Was die Wasserversorgung betrifft, so gehört Schildau zum Zweckverband Torgau/Westelbien. Aus Sicht der Abwasserentsorgung wird die Gneisenaustadt zu Mockrehna gezählt, zum Abwasserzweckverband Heidelbach. Den Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst teilen sich die beiden Gemeinden ebenfalls. Das Polizeirevier Torgau ist für Schildau zuständig, wobei sich der Sitz der Beamten in Belgern befindet. Das Amtsgericht, sowie die Arbeitsagentur für die Gneisenaustadt sind in Torgau vertreten.
Was die soziale Infrastruktur angeht, so wird vom Planungsverband besonders auf die Schulen hingewiesen. Eine Grundschule hat Schildau selbst. Was die Mittelschulen und Gymnasien betrifft, so gehen die Kinder in andere Gemeinden. Der Großteil der Mittelschüler aus Schildau ist in Falkenhain untergebracht und lediglich 15 bis 32 Prozent besuchen eine Schule in Torgau. Jedoch gehen alle Gymnasiasten Schildaus in eine der Torgauer Einrichtungen. Zu beachten ist jedoch, dass in die Analyse nur die Schüler aller fünften Klassen einbezogen wurden.
Untersucht haben die Planer auch, zu welchen Wahlkreisen die einzelnen Gemeinden gehören. Dabei fällt auf, dass Schildau, gemeinsam mit Mockrehna und Dahlen, bei Landtagswahlen einem anderen Wahlkreis (34) angehört als der übrige Altkreis Torgau-Oschatz (33). Gemeinsam mit Belgern und Dahlen sind die Gneisenaustädter dagegen im Sächsischen Zweistromland organisiert – diese Art der interkommunalen Zusammenarbeit hat in den vergangenen Jahren zugenommen, weshalb sie von den Regionalplanern als wichtig eingestuft wurde. Gemeinsame Identität entsteht auch über die Kirchen. Schildau ist Teil des katholischen Gemeindeverbunds Torgau. In den Strukturen der evangelischen Kirche strahlt die Schildauer Pfarrstelle dagegen selbst in Teile Torgaus und Mockrehnas aus.
Ein letzter Punkt der Analyse gilt der Lage und Erreichbarkeit der Gemeinden. Zu der Erreichbarkeit gehören dementsprechend auch die Verkehrsanbindungen. Dabei ist dem Verband aufgefallen, dass es Nachbargemeinden gibt, die nicht direkt miteinander verbunden seien. Ein Beispiel dafür sind die Gemeinden Belgern und Schildau. Alle weiteren angrenzenden Kommunen der Gneisenaustadt sind mit selbiger durch mindestens eine Staats- oder Kreisstraße verbunden. Jeweils drei Straßen verbinden Schildau mit Torgau und die Gneisenaustadt mit Mockrehna.
Der Planungsverband nimmt weiterhin Bezug auf die landschaftlichen Situationen der Gemeinden untereinander. Damit sind zum Beispiel Wälder oder Gewässer gemeint, die eine natürliche Barriere zwischen den benachbarten Ortschaften darstellen. „Solche Grenzen können eine trennende Wirkung entfalten“, wie es in der Analyse heißt. Schildau wird durch Waldflächen von den Gemeinden Dahlen, Belgern, Cavertitz und zum Teil von Falkenhain getrennt. Weitere Barrieren gibt es nicht.
Hintergrund:
Das Hauptaugenmerk des Planungsverbandes lag bei der Analyse auf folgenden Kriterien: die Verwaltungsstruktur der Gemeinden, die Gemeindestruktur selbst, die raumordnerischen Erfordernisse, die raumstrukturellen Verflechtungen, sowie die Lage und Erreichbarkeit der Gemeinden untereinander.
Des Weiteren analysierte der Planungsverband die rechtlichen Rahmenbedingungen, die finanziellen Aspekte, die Gespräche der Bürgermeister und die gemeindekonkreten Bewertungen. Diese Analysepunkte stehen der TZ jedoch nicht zur Verfügung.