Ostrau/Mügeln. Weil sich Schrebitz von Ostrau stark vernachlässigt fühlt, wird im Ortsteil laut über ein Zusammengehen mit Mügeln nachgedacht. Kundgetan hatte es zunächst der Schrebitzer Karnevalverein. Für Ortsvorsteher Dirk Petermann ist dies allerdings die allerletzte Option. Dagegen könnte sich Mügelns Bürgermeister Gotthard Deuse (FDP) durchaus vorstellen, wenn Schrebitz sich von Ostrau verabschieden und zu Mügeln wechseln würde.
Die Liste ist lang: Wenn man den Schrebitzer Ortsvorsteher Dirk Petermann nach der Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung Ostrau fragt, bekommt man viele Kritikpunkte zu hören: Das kalte Vereinsheim, die aus seiner Sicht ungenügende Tätigkeit in Sachen Straßenbau in der Altgemeinde Ostrau, der Streit um die Feuerwehr ...
"Ich bin schon seit einigen Jahren Ortsvorsteher von Schrebitz. Ich kann aber sagen, dass das Verhältnis zur Gemeinde noch nie so schlecht gewesen ist, wie jetzt", so Petermann. Am 11. November hatte der Schrebitzer Karnevalsverein augenzwinkernd kundgetan, dass man den Weg nach Mügeln suchen werde, wenn sich das aus Schrebitzer Sicht nicht zufriedenstellende Verhältnis nicht verbessere. "Das war natürlich eine Aussage des SCC, nicht meine", sagt Petermann. Auf Nachfrage lässt er sich doch folgende Sätze entlocken: "Wir werden natürlich alles dafür tun, dass wir in allen Streitpunkten zu guten Ergebnissen kommen", so Petermann. Man werde mit der Gemeindeverwaltung reden, und man werde im Notfall auch alle rechtlichen Mittel ausnutzen. "Wenn aber alles nicht fruchtet, wird man aber auch über ein Zusammengehen von Schrebitz mit Mügeln diskutieren müssen", sagt der Ortsvorsteher. "Das ist die allerletzte Option, über die ich derzeit nicht nachdenken möchte."
Der Wunsch für einen Wechsel von Schrebitz nach Mügeln ist nicht neu, weiß Mügelns Bürgermeister Gotthard Deuse (FDP). "Schrebitz gehörte bis zum Ende der 40er Jahre zur Amtshauptmannschaft Oschatz. Der Ort hat schon immer einen großen Bezug zu Mügeln." Zur Gemeindereform 1998 habe Deuse bereits das Gespräch mit dem damaligen stellvertretenden Bürgermeister von Schrebitz gesucht. "Ich wollte zur Einwohnerversammlung sprechen, das ist damals nicht zugelassen worden." Die Beziehungen zwischen Schrebitz und Mügeln seien in vielerlei Hinsicht gegeben. "Kinder aus Schrebitz, Obersteina und Kiebitz besuchen unsere Grund- und Mittelschule. Wir haben auch mal im Abwasserzweckverband zusammengearbeitet und viele Schrebitzer kommen nach Mügeln, um in unseren drei Supermärkten einzukaufen. Außerdem gibt es viele familiäre Bindungen", zählt Deuse auf. Er ist davon überzeugt, dass sich viele Schrebitzer eine solche Konstellation vorstellen könnten. "Fraglich ist allerdings, ob der Bürgerwille respektiert wird. Da müssen die Schrebitzer aktiv werden", so Deuse weiter.
"In einer der vergangenen Sitzungen des Ostrauer Gemeinderates war der CDU-Landtagsabgeordnete Sven Liebhauser zu Gast. Damals hatte man über die Möglichkeiten von Gemeindefusionen diskutiert. Dabei fiel auch die Aussage, dass es grundsätzlich möglich sei, dass man bisherige Gemeindestrukturen auflöse und einzelne Ortsteile anderen Kommunen zuschlage. Den Wechsel von Kommunen oder Ortsteilen über Kreisgrenzen hinweg hatte der Landespolitiker damals allerdings ausgeschlossen. Hier könnten die Krux liegen: Schrebitz gehört zum Landkreis Mittelsachsen, Mügeln zu Nordsachsen. Hinzukommt, dass zwei verschiedene Landesdirektionen (Chemnitz und Leipzig) zuständig sind - eine zusätzliche Hürde. Allerdings wurde auch der Altkreis Döbeln trotz Jahrhunderte alter Bindung über Bezirksgrenzen hinweg dem Chemnitzer Raum zugeschlagen - ganz unüberwindlich scheint deswegen auch diese Hürde nicht zu sein.