Kreisgebiet (nf). Etwa 400 Lehrer aus Nordsachsen nehmen an heute geplanten Warnstreiks in Dresden teil. Das teilte Volker Sommer, der Kreisvorsitzende des Lehrerverbandes Sachsen, gestern auf Anfrage dieser Zeitung mit. Insgesamt würden acht Busse aus der Region in die Landeshauptstadt fahren. Bei den Lehrern handelt es sich überwiegend um Fachkräfte aus den Mittelschulen und Gymnasien. Der Unterricht in der Abiturstufe elf und zwölf sei jedoch abgesichert, weil die Prüfungen nahten und man den Schülern Ausfälle in dieser Zeit nicht zumuten wolle. An Schulen, wo der Unterricht ausfällt, werden die Kinder betreut. Laut Sommer sind die Eltern in entsprechenden Briefen vorab informiert worden und hätten Verständnis gezeigt.
Mit den Streiks wollen die Lehrer einerseits auf mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen aufmerksam machen, andererseits die sächsische Politik dazu bewegen, mehr für den Berufsstand des Lehrers zu tun. Laut Sommer gebe es immer mehr ältere Lehrkräfte an den Schulen, junge Lehrer kämen nicht genügend nach, weil die bessere Arbeitsbedingungen in den alten Bundesländern finden - und dort auch besser bezahlt werden. "In unseren Mittelschulen und Gymnasien liegt der Altersdurchschnitt der Lehrer zwischen 40 und 50 Jahren. 2009 lief die Altersteilzeit aus, in drei Jahren gehen die letzten Lehrer, die das nutzen, in die Ruhephase. Dann sind definitiv zu wenig da", verdeutlicht Sommer die Situation in der nahen Zukunft. Das sächsische Kultusministerium müsse demnach handeln und sich für junge Nachwuchskräfte einsetzen, denn die Lehrerschaft "vergreist immer mehr". Die Pädagogen wehren sich zudem, dass sie bis zur Rente voll arbeiten müssen. Neue Übergangsregelungen müssten her. Was die Bezahlung angeht, verdienen nach Angaben des Sächsischen Lehrerverbandes tariflich bezahlte Lehrer im Osten monatlich bis zu 400 Euro weniger als ihre Kollegen im Westen. Für die sächsischen Lehrer eine Ungerechtigkeit, die mehr als 20 Jahre nach der Wende nicht mehr begründbar sei.