Lampersdorf. Mit der geplanten Schließung des Schullandheimes Lampersdorf (wir berichteten) möchte sich Georg Knittel nicht abfinden. Der Collmer hofft, dass sich genügend Mitstreiter finden, die das Haus gemeinsam erhalten wollen. Für einen Fortbestand könnte die Einrichtung als Begegnungsort für alle Generationen betrieben werden, so Knittel.
Als Jugendwart kümmert sich Knittel auch um das Rüstzeitheim in Wermsdorf und hat Erfahrung mit dem Betrieb solcher Häuser. "Wir haben das Heim in Wermsdorf seit 1996 schrittweise saniert, führen das Haus mit hohem Einsatz und unterstützt durch einen Minijob. Außerdem werben wir dafür, dass Gruppen das Haus für sich allein haben. Es gibt keine Köche oder Hausmeister, die sich ständig um alles kümmern - so funktioniert das", beschreibt Knittel. Die Personalkosten seien der Knackpunkt bei solchen Häusern, erst wenn keine Rundumbetreuung eingeplant ist, rechne sich eher ein Betrieb.
"So wie es jetzt in Lampersdorf läuft - mit drei Mitarbeitern und einer halben Hausmeister-Stelle - geht es wirklich nicht mehr", gibt sich Knittel keinen Illusionen hin. Man müsse den engsten Rahmen abstecken, der unbedingt nötig ist. Dazu gehöre, dass sich Gruppen zum Beispiel selber versorgen, was auch für die Gäste Kosten spare. Für die inhaltliche Arbeit könne man auf Wunsch Anregungen geben oder Kontakte - etwa zu Förstern oder Vereinen - vermitteln, aber nicht mehr das komplette Programm gestalten.
"Das Schullandheim ist eingebettet in die Kulturlandschaft der Region, es gibt einen Fußball- und einen Spielplatz, eine Wiese zum Zelten und ein großes Grundstück, auf dem man etwas machen kann - das ist einfach ein schönes Fleckchen Erde", gerät Georg Knittel ins Schwärmen. Dieses Haus solle allen Altersgruppen offenstehen. "Wichtig wäre ein Bildungsangebot über Kinder und Jugendliche hinaus", fügt er hinzu.
Sein Wunsch sei es, dass sich Gleichgesinnte zusammenfinden. "Dafür werden Leute gebraucht, die mitdenken, rechnen und Ideen entwickeln können", so Knittel. Gefragt seien kühle Rechner und Idealisten ebenso wie Leute mit handwerklichen Fähigkeiten oder Menschen, die ihr Wissen gern an die Gäste des Schullandheimes weitergeben wollen. "Das kann jemand sein, der Schulklassen zeigt, wie man Apfelsaft macht oder eigene Marmelade kocht oder jemand, der sich mit Tieren im Wald auskennt", zählt Knittel auf. "Und natürlich brauchen wir auch Leute, die bereit sind, das Portmonee aufzumachen", sagt er unverblümt.
Man müsse ein Finanzierungskonzept erstellen und könne vielleicht auch auf Unterstützung durch Kräfte im Freiwilligen Sozialen Jahr oder über den Bundesfreiwilligendienst bauen. "Es wäre schön, wenn wir auch von der Gemeinde und dem Landratsamt Unterstützung kriegen würden." Denn Eigenmittel besitze das Schullandheim nicht - dafür aber einen hohen Sanierungsbedarf. "Mit einer Anschubfinanzierung könnte man sich um Fördermittel bemühen", so seine Überlegung.
Jetzt sei schnelles Handeln gefragt, denn bereits im Herbst soll das Haus nach dem Willen des Kreises geschlossen werden. Privatpersonen, Gruppen, Vereine, Kommunen oder Institutionen, denen der Erhalt des Lampersdorfer Schullandheimes ebenfalls am Herzen liegt, können sich bei Georg Knittel in Collm melden, um ein erstes Treffen zur Abstimmung zu vereinbaren.
i Telefon 03435/92 67 83 und E-Mail: georg@christlichejugend.de
Hintergrund zu Haus und Schließung Das Schullandheim Lampersdorf wurde im März vor 25 Jahren eröffnet. Zu DDR-Zeiten war das Haus hauptsächlich Ziel für Klassenfahrten. Seit der Wende buchten zunehmend auch Vereine, Institutionen oder Privatpersonen einen Aufenthalt im Schullandheim. Träger der Einrichtung ist der Landkreis Nordsachsen, der jährlich bis zu 140 000 Euro für den Betrieb zuschießt. Deshalb und wegen des hohen Sanierungsstaus wurde die Schließung des Hauses beschlossen.