10. Dezember 2010 Lisa Garn (Oschatzer Allgemeine Zeitung)

Schullandheim schließt 2011

Betriebseinstellung in Lampersdorf / Beratung über Nachnutzung


Lampersdorf. Das Schullandheim in Lampersdorf schließt im September 2011. Das beschlossen die Kreisräte am Mittwoch. Der Sanierungsstau sei immens, die Auslastung zu gering. Die Schließung ist Teil des Konsolidierungskonzeptes für den klammen Landkreis Nordsachsen. Die Gemeinde Wermsdorf, der Grundstück sowie das Gebäude gehören, sucht nun einen Nachnutzer.
"Der Investitionsstau ist riesig, und es ist wirtschaftlich nicht vertretbar, die Einrichtung zu halten", so Rayk Bergner, Sprecher des Landratsamtes. Immer weniger sei das Schullandheim ausgelastet, im vergangenen Jahr zu 24,5 Prozent, heißt es im Beschluss. Auch der Abbau des Sanierungsstaus würde zu keiner höheren Auslastung führen. Um den Betrieb am Laufen zu halten, bezuschusst der Kreis die Einrichtung, in diesem Jahr mit 135 000 Euro. Am 30. September 2011 soll nun der Betrieb eingestellt werden. Mit den insgesamt drei Beschäftigten wurden Gespräche geführt. Dieter Pohl, Leiter der Einrichtung und Vorsitzender des Fördervereins Schullandheim, soll laut Beschlussvorlage in eine Kindereinrichtung des Kreises wechseln. Die beiden technischen Beschäftigten stünden in Kontakt mit Firmen in der Region Oschatz, die Bereitschaft signalisiert hätten, sie zu übernehmen.
Pohl selbst wollte sich gestern nicht äußern. Noch im Juni sprach er davon, dass pro Jahr bis zu 1500 Gäste kämen (OAZ berichtete). Neben Schulklassen würden vor allem Vereine und Familien das Lampersdorfer Haus schätzen. Der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins, Frank Reichel, war für eine Stellungnahmen nicht zu erreichen.
Kreisrat Peter Streubel (Die Linke) stimmte im Kreistag am Mittwoch gegen die Schließung und hofft auf eine Fortführung des Bildungsangebotes in Lampersdorf. "Ich bedaure, dass das Haus schließt. Hier gibt es ein vielfältiges Angebot und eine sehr gute pädagogische Betreuung. Aber es ist eben so, dass man im Bereich Bildung selten Gewinn macht", sagt der Oschatzer. "Durch Angebote wie diese können sich Kinder und Jugendliche aber nicht nur Wissen aneignen, sondern lernen, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Deshalb muss überlegt werden, wie das Gebäude weiter als Bildungseinrichtung genutzt werden kann."
Streubel gab zur Sitzung ebenso einen Blick in die Historie des Gebäudes. 1936 begann der Bau, zwei Jahre wurde sie als Schule genutzt. Ab 1974 diente sie als Ausweichquartier, wenn Schulen in Oschatz überbelegt waren. 1985 begann der Umbau zum Schullandheim.
Nach der Schließung wird die Einrichtung an die Gemeinde Wermsdorf übergeben. Bürgermeister und Kreisrat Matthias Müller (CDU) bedauert zwar ebenso die Schließung, betont jedoch die Notwendigkeit. "So schwer es auch fällt, aber die Entscheidung ist richtig. Nicht nur der Investitionsrückstau, sondern auch die hohen jährlichen Kosten machen es für den Kreis notwendig, sich von der Einrichtung zu trennen", so das Gemeindeoberhaupt. "Und man muss auch sehen, dass wenig Kinder aus dem Kreis die Einrichtung besuchen, sondern eher aus Städten wie Leipzig kommen. Damit würde der Kreis die Städter subventionieren." Wermsdorf stünde nun in Kontakt mit dem Landratsamt, um einen Nachnutzer zu finden. "Als Gemeinde können wir die Einrichtung nicht betreiben. Aber wir sind daran interessiert, dass das Bildungsangebot aufrecht erhalten wird. Wenn jemand Ideen und Vorschläge hat, kann er sich an die Verwaltung wenden."