26. Juli 2011 Frank Hörügel (Oschatzer Allgemeine Zeitung)

Schulschwänzer auf dem Vormarsch

Im Kreis Nordsachsen besonders Berufsschulzentren betroffen

Nordsachsen/Oschatz. Im Landkreis Nordsachsen gibt es immer mehr Schulschwänzer. Nach einer aktuellen Erhebung der Kreisbehörde musste die Bußgeldstelle in der ersten Hälfte dieses Jahres 179 Verletzungen der Schulpflicht mit Bußgeld ahnden. Im gesamten Jahr 2010 wurden dagegen nur 230 Fälle verzeichnet. Im Vorjahr erhob die Behörde Geldbußen in Höhe von insgesamt 35 000 Euro.
Der Großteil der Kinder und Jugendlichen, die unentschuldigt dem Unterricht fernbleiben und dafür ein Bußgeld kassieren, sind notorische Schulschwänzer. Denn bei den meisten anderen Schülern mit wenigen Fehlstunden oder -tagen würden bereits schulische Maßnahmen wie Tadel ihre Wirkung zeigen, weiß Rayk Bergner, Pressesprecher des Landratsamtes.
Weil die notorischen Schulschwänzer oftmals die Geldbuße nicht zahlen könnten, so Bergner, werde von der Möglichkeit gemeinnütziger Arbeit Gebrauch gemacht. Wo und wann die Arbeitsstunden geleistet werden, legen die Jugendrichter fest. Oftmals, so die Direktorin des Oschatzer Amtsgerichtes Katja Kohlschmid, würden die Jugendlichen dann in den kommunalen Bauhöfen beschäftigt.
Kritisch wird es für Schulschwänzer, die nicht zahlen können und nicht arbeiten wollen. "Wenn die Stunden nicht geleistet werden, dann verhängen wir einen Ungehorsams-Arrest", sagt die Gerichtsdirektorin. Diese Jugendlichen müssten dann in den Jugendstrafvollzug nach Regis-Breitingen. Landratsamts-Sprecher Bergner warnt: "Niemand tut sich etwas Gutes, wenn er statt des Schulbesuches lieber Müßiggang übt."
Mit Blick auf die Zukunft der Schulbummler sagt Bergner, dass durch die Unterrichtsversäumnisse oftmals der Schulabschluss gefährdet werde. "Obgleich zahlreiche Handwerksmeister oder andere Betriebsinhaber händeringend nach Auszubildenden suchen", so Bergner, stünden die Chancen für notorische Schulschwänzer schlecht.

Rayk Bergner: Niemand tut sich etwas Gutes, wenn er statt des Schulbesuches lieber Müßiggang übt.