27. April 2011 Ditmar Wohlgemuth (Leipziger Volkszeitung)

Schutz steht im Vordergrund

Nordsachsen strukturiert Katastrophenschutz um

Delitzsch. Der Katastrophenschutz im Freistaat und damit auch im Landkreis Nordsachsen wird den aktuellen Bedrohungs- und Gefahrenlagen angepasst. "Der Schutz der Bevölkerung steht dabei im Mittelpunkt aller Bestrebungen", klärte kürzlich Frank Breitfeld, Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz in Nordsachsen, auf. Er informierte den Ausschuss des Kreisfeuerwehrverbandes Delitzsch über den derzeitigen Stand der Umstrukturierung, die bereits seit 2002 im Gange ist. Seit 2007 gäbe es konkrete Ausstattungskonzepte des Freistaates. Demnach wird es auch in Nordsachsen zur Neuverteilung von Fahrzeugen und Ausrüstungen kommen. Neu hinzu kommen werden unter anderem ein Katastrophenschutz-Löschzug Waldbrand als auch ein ABC-Erkundungszug - ABC steht für Atomar, Biologisch, Chemisch.
Als neue Bedrohungs- und Gefahrenlagen nannte Breitfeld unter anderem Terroranschläge, Gefahren, die von der Natur ausgehen, wie zum Beispiel Hochwasser, aber auch technische Gefahren wie ABC-Unfälle oder Flugzeugabstürze. Die Strukturen in Sachsen seien darauf abgestimmt worden. Im Dezember 2010 trat die geänderte sächsische Katastrophenschutzverordnung in Kraft, derzeit werde sie umgesetzt. Sie legt auch fest, welche Kat-Schutzeinheiten in Sachsen aufgestellt und wie sie ausgerüstet werden sollen. Diese Einheiten seien vor allem darauf ausgerichtet, Ereignisse mit chemischen, biologischen, radioaktiven/nuklearen Stoffen sowie Ereignisse mit vielen Verletzten zu bewältigen. Dies sind insbesondere Extremwetterlagen, Flächenbrände, aber auch Tierseuchen, Gefahrstofffreisetzungen und Gefahren durch Terrorismus.
Die aufzustellenden Einheiten in den Landkreisen und kreisfreien Städten gliedern sich in ABC-Gefahrenabwehr, Brandschutz, Sanitätswesen/Betreuung und Führung. Zugunsten dieser Einheiten werde die Zahl der Löschzüge für die Brandbekämpfung um vier reduziert. Neu eingerichtet würden jedoch drei Löschzüge Waldbrand in Sachsen. Im Ergebnis der Gefahrenanalyse werde ein solcher auch in Nordsachsen stationiert. Als Standorte kämen, so Breitfeld, Bad Düben oder Wildenhain in Frage. Diese Einheit werde vom Freistaat finanziert. Viel Aufmerksamkeit werde dem Aufbau von Führungsgruppen und -trupps in den Landkreisen gewidmet.
ABC-Einheiten erfahren eine Aufwertung. Ein Erkundungszug kommt hinzu. "In den nächsten Jahren steht uns in diesem Bereich ein hoher Ausbildungsbedarf bevor", blickte der Amtsleiter voraus. Auch die Verdopplung der Katschutz-Gefahrgutzüge auf zwei sei der neuen Lage geschuldet. Stationiert werden sie in Delitzsch sowie in Schildau. Die Einsatzzüge für den Bereich Sanitätswesen/Betreuung erhielten ebenfalls eine Aufwertung. Statt bisher zwei, gibt es dann drei Züge, die für die Bereiche Torgau/Oschatz, Delitzsch (beide in Zuständigkeit des DRK) und Eilenburg/Taucha (ASB) bereitstehen. Dort werden die Komponenten Sanitätswesen und Betreuung künftig zusammengeführt.
Die Ausstattung mit der erforderlichen Technik liefe erst an und sei von der Freigabe durch den Bund oder den Freistaat abhängig, hieß es. Breitfeld merkte an, dass es sich bei dieser Umstrukturierung um gänzlich neue Erfahrungen handele und natürlich nicht jedem dabei alles recht gemacht werden könne. "Ich kann verstehen, dass es schwer fällt, Fahrzeuge abzugeben und auf andere warten zu müssen."
Die Vorgaben des Bundes und des Landes müssten jedoch zügig umgesetzt werden, entsprechende Absprachen seien mit den Kommunen getroffen worden. In Delitzsch werden derzeit die Voraussetzungen geschaffen, weitere Fahrzeuge im Bereich des Gerätehauses am Schäfergraben unterzubringen.