9. Juli 2011 Leipziger Volkszeitung

Schweinemast - "Irgendwann setzt sich die Vernunft durch"

Eilenburg/Krippehna (red). Die jüngst vom Landratsamt genehmigte Schweinemastanlage, die zwischen Zschepplin und Krippehna errichtet werden soll, bewegt die Menschen auch außerhalb der Gemeindegrenzen. Peter Burck, Stadtrat der Grünen in Eilenburg und BUND-Mitglied, teilte mit, dass er als Sohn eines Tierarztes die althergebrachte bäuerliche Haltung von Schweinen selbst erlebt hat. "Wenn ein Landwirt die Gülle von seinen 40 Schweinen auf seinem Acker ausgebracht hat, war das wohl doch ein Unterschied dazu, als wenn jetzt aus einer Industrieanlage die Gülle von 11000 Schweinen in der Umgebung verteilt werden muss", reagierte der Muldestädter auf das jüngst zu diesem Thema in dieser Zeitung veröffentlichte Interview mit Sachsens Landwirtschafts- und Umweltminister Frank Kupfer (CDU). Auch die Gülle sei nicht mehr die gleiche, so Burck. Bei 11000 Schweinen und einer eingeplanten Verlustquote von 1000 Schweinekadavern pro Produktionszyklus könne kein Tierarzt mehr ein krankes Schwein behandeln, sondern diese Art der Tierhaltung erfordere den Einsatz von Antibiotika, deren Reste und Abbauprodukte sich zwangsläufig in der Gülle finden und somit in den biologischen Kreislauf eingeschleust werden. Der Stadtrat wird in seiner Meinung übrigens von Friedemann Steiger, früherer Pfarrer im Kirchspiel Krippehna, sowie von Manuela Rühl aus Pressen vom Freundeskreis der Grünen und in der Region als einfühlsame Trauerrednerin bekannt, unterstützt. Er führt weiter aus: "Ich finde die Massentierhaltung akzeptabel, wenn 11000 Rinder in Argentinien auf 1000 Hektar weiden. Ich finde sie nicht akzeptabel und ethisch nicht vertretbar, wenn 11000 Schweine in Nordsachsen auf Spaltrosten mit 0,8 Quadratmeter pro Schwein unter Kunstlicht in einer Fabrik produziert werden. Mag sein, dass Herrn Kupfers christliches Verhältnis zum Schwein als Lebewesen und Mitbewohner unserer Erde ein anderes ist, als bei mir. Er will uns auch glauben machen, ,dass ,jeder von uns Schweinefleisch essen will'." Kupfer könne sich aber nicht vorstellen, dass viele Menschen das anders sehen als er. "Er ist genauso ein Fossil wie Herr Mappus, der sich nicht vorstellen konnte, dass die Mehrzahl der Menschen die Nase voll haben von staatlicher Bevormundung und den Segnungen der Atomwirtschaft", so Burck. Jahrzehntelang hätte die CDU behauptet, die Grünen würden Ängste vor den Atomkraftwerken schüren. "Irgendwann, wenn auch langsam, setzt sich aber in der Demokratie die Vernunft mit den Wahlergebnissen durch."