Nordsachsen (TZ). Ende November hat die Bertelsmann-Stiftung den ersten Lernatlas für Deutschland veröffentlicht. Bis auf die Ebene der Landkreise aufgelöst analysiert der die Bedingungen für lebenslanges Lernen. Den Kreis Nordsachsen haben die Bertelsmann-Wissenschaftler in die Gruppe der Kreise im ländlichen Umland einer Großstadt zugeordnet. 81 vergleichbare Kreise gibt es bundesweit. Nach den Kriterien des Lernatlasses miteinander verglichen, liegt Nordsachsen in dieser Gruppe auf Platz 53. Ebenfalls in der Gruppe sind beispielsweise der Saalekreis (Platz 64) und Elbe-Elster (76). Die sächsischen Nachbarkreise werden in der Kategorie Kreis im verdichteten Umland gelistet und deshalb nicht direkt mit Nordsachsen verglichen.
Der Deutsche Lernatlas arbeitet mit 38 regionalen Kennzahlen, die sich auf vier Dimensionen des Lernens verteilen: schulisches, berufliches, soziales und persönliches Lernen. Innerhalb der einzelnen Vergleichsgruppen steht für jede dieser Dimensionen eine Rangfolge zur Verfügung.
So landet Nordsachsen beim schulischen Lernen auf Platz 35. Diese Dimension gibt Hinweise auf den Lernerfolg, das Studienplatzangebot sowie das Ausbildungsniveau. Ein besseres Abschneiden hier verhindert die vergleichsweise hohe Anzahl von Schulabbrechern sowie der geringe Anteil der jungen Bevölkerung mit Hochschulabschluss.
Das berufliche Lernen umfasst Aus- und Weiterbildung sowie die Frage, wie lernförderlich die Arbeitsumgebung ist. Hier belegt Nordsachsen innerhalb der Vergleichsgruppe Rang 66. Als gut eingeschätzt wird hierbei die Chance junger Menschen auf einen Ausbildungsplatz. Nachholebedarf hat der Kreis dem Atlas zufolge in Sachen beruflicher Weiterbildung.
Platz 77 belegt Nordsachsen in der Dimension des sozialen Lernens. Hier sind das soziale Engagement, die politische Teilhabe sowie die Dichte von Einrichtungen der Jugendarbeit maßgebend. Letztere ist vergleichsweise sehr gut, beim sozialen Engagement wird den Nordsachsen jedoch Nachholebedarf bescheinigt. Allerdings weisen die Daten hier Lücken auf. So konnte das gerade hierzulande große Engagement für die Feuerwehren nicht einfließen.
Die Dimension des persönlichen Lernens schließlich gibt Hinweise darauf, welche Lernmöglichkeiten zur persönlichen Entwicklung und Entfaltung vorhanden sind und genutzt werden: Kurse an Volkshochschulen, Sport, Kultur oder selbst gesteuertes Lernen mit Medien. Auch hier ist die Datenlage nicht vollständig. Daten der Volkshochschulen liegen nicht vor. Dennoch landet Nordsachsen auf Rang 9 von 81. Verhältnismäßig viele Museumsbesuche, viele Sportvereine und eine große Neigung zum Lesen sind die Schlüsselwerte.
Ob die Ergebnisse Veränderungspotenzial für Nordsachsen bergen, wird sich zeigen. Im Landratsamt wolle man die Ergebnisse aufmerksam studieren, kündigte Pressesprecher Rayk Bergner an. Besonderes Augenmerk gelte dabei freilich den Bereichen, auf die der Kreis Einfluss nehmen könne. Vor allem sei das der Punkt Schulen und Kreisvolkshochschulen. Nicht zuletzt durch die jüngsten Investitionen habe man hier aber bereits ein ordentliches Niveau erreicht, so Bergner.
Die umfangreichen Daten sind online unter www.deutscher-lernatlas.de komplett abrufbar. Dort gibt es auch verschiedene Möglichkeiten der Auswertung und Darstellung.