Nordsachsen (TZ). Landrat Michael Czupalla ist empört. Entgegen aller Beteuerungen im Vorfeld der Kreistagsentscheidung habe man nun den Eindruck, dass der Landkreis als Partner der Agentur für Arbeit bei der Führung des Jobcenters nicht gleichberechtigt sei. Als Grund für diese Vermutung nannte Pressesprecher Rayk Bergner gestern gegenüber der TZ die aus ihrer Sicht aufgetretenen Ungereimtheiten bei der Besetzung der Geschäftsführerstelle des Jobcenters. Bei Gesprächen im Vorfeld der nun erfolgten Zusammenlegung der beiden ARGEN Torgau-Oschatz und Delitzsch zum Jobcenter hätte es Absprachen zwischen den beiden Trägern gegeben, dass beide bisherigen ARGE-Chefs Leonardi und Germer dafür infrage kämen.
Nun aber habe man einen Beschluss vorgelegt, der die öffentliche Ausschreibung des Geschäftsführerpostens vorsieht. Der auch vom Landkreis favorisierte Leonardi habe mittlerweile im Bereich der Agentur eine neue Aufgabe übernommen und werde so wohl auch nicht an der Ausschreibung teilnehmen. Czupalla sehe sich bei dieser Entwicklung in seinen Befürchtungen bestätigt, nicht mehr Partner auf Augenhöhe sein zu können. Auch deshalb, so Bergner, versagte er dem Beschluss zur Stellenausschreibung seine Zustimmung. Wenn sich die Zusammenarbeit auf dieser Basis weiterentwickele, stelle sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Trägerversammlung. Auf Anfrage der TZ brachte Agentur-Pressesprecher Volkmar Beier im Auftrag seiner Chefin Marlies Hoffmann-Ulrich deren Überraschung ob dieser heftigen Reaktion zum Ausdruck. Bereits Ende Oktober habe es eine schriftliche Mitteilung ans Landratsamt gegeben, in der auf die Ausschreibungspflicht für die Geschäftsführerstelle im Jobcenter hingewiesen wurde. Bis zur daraus resultierenden Entscheidung werde Frank Germer kommissarisch ab 1. Januar 2011 dem Jobcenter vorstehen.