Kreisgebiet. Die Diskussionen um die geplanten Schweinemastanlagen und die Hühnerfarm im Landkreis Nordsachsen reißen nicht ab. Umweltorganisationen wie der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Sachsen werfen der Landkreisbehörde gesetzeswidriges Handeln vor, Bürger protestieren gegen die Pläne und die Branche selbst fühlt sich an den Pranger gestellt und verunglimpft. Im Kreiszeitungs-Interview beziehen Landrat Michael Czupalla (CDU) und sein Vize Ulrich Fiedler (SPD) zu dieser Problematik Stellung.
Industrielle Tierproduktionsanlagen sollen in Zschepplin bei Eilenburg und in Klitzschen bei Torgau gebaut und in Wellaune bei Bad Düben erweitert werden - Schweinemastanlagen mit Zehntausenden Tieren. Des Weiteren ist eine Jungendhennenaufzuchtanlage in Pristäblich bei Bad Düben geplant. Dort sollen 71 000 Plätze für Hennen und Hähne entstehen. Die geplanten Anlagen sorgen für Zündstoff. Denn in keinem benachbarten Landkreis stehen derzeit vergleichbare Investitionen an. Warum also ausgerechnet in Nordsachsen? Reinhard Eggert, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, kennt die Antwort: Es sei der Viehbesatz. Darunter versteht man das Verhältnis der Anzahl von Nutztieren zu einer Fläche, auf der ihr Futter erzeugt wird. Der Viehbesatz wird angegeben in Großvieheinheiten je Hektar (GV/h). Der Wert für Nordsachsen liegt laut Eggert bei derzeit 0,45 GV/h - bis zu 1,8 GV/h sind gesetzlich zulässig. Es gibt in der Region also Spielraum nach oben. Und den nutzen Investoren gern aus. Ein anderer Grund sei aber auch - und das will Eggert nicht verhehlen - "die guten Förderbedingungen" des Freistaates. Sie seien "ein Anreiz" für Investoren. Und die würden sich mit ihrem Handeln im gesetzlichen Rahmen bewegen, auch wenn Umweltschützer anderes behaupteten. "Die Umwelt berührt uns Landwirte aber genau so. Wir können und wollen sie nicht versauen, weil wir sie letztlich brauchen. Sie ist unsere Grundlage", so Eggert weiter. Das "aggressive Auftreten" des BUND könne er wie viele andere aus seiner Branche derweil nicht nachvollziehen. "Wir müssen im Wettbewerb auch bestehen können. Der BUND fordert und fordert, was wir alles nicht sollen. Aber was sind denn die Alternativen?"
Den Schuh, gesetzeswidrig zu handeln, will sich auch Landrat Czupalla nicht anziehen. "Gegen die Behauptung, meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten rechtswidrig gehandelt, verwahre ich mich." Das Landratsamt habe alle Einwendungen, die im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung eingegangen sind, im Genehmigungsverfahren geprüft und dabei die entscheidungsrelevanten gesetzlichen Grundlagen berücksichtigt", ergänzte Dezernent Fiedler zur bereits genehmigten Anlage in der Gemeinde Zschepplin. Die Betroffenen sehen das nicht so. In der örtlichen Bürgerinitiative werden Widersprüche und der Rechtsweg geprüft sowie Protestaktionen vorbereitet.
Zu Bad Düben - die Stadt ist gegen die Erweiterung der Schweinemast in Wellaune und die Hühnerfarm im benachbarten Pristäblich - würden die Unterlagen von der Genehmigungsbehörde ebenso geprüft, ob "einschlägige Gesetze und technische Regeln eingehalten werden". Spielraum, solche Investitionen zu verhindern, hätte der Landkreis nicht, "wenn die Genehmigungsvoraussetzungen erfüllt sind", heißt es weiter. Am Dienstag war der Erörterungstermin für die Hühnerfarm angesetzt. Aus Teilnehmerkreisen hieß es, es sei "kritisch, aber konstruktiv" zugegangen. Die Stadt Bad Düben habe wiederholt ihre Bedenken vorgebracht, ebenso der BUND und Einwohner. Investor Alfra würde auf Kooperation statt Konfrontation setzen.