Spröda/Torgau (TZ). Der Landkreis Nordsachsen wird die ihm zugewiesenen alleinstehenden Asylbewerber künftig nur noch in der Wohnunterkunft in Spröda unterbringen. Für das Heim in Torgau läuft der Vertrag Ende dieses Jahres aus. In Spröda werden derzeit weitere Unterkünfte für zusätzliche Bewohner ausgebaut.
In der Gemeinschaftsunterkunft in Spröda leben derzeit 140 männliche Asylbewerber. Spätestens ab dem 1. Januar werden es 45 mehr sein. So viele leben derzeit noch in der Torgauer Unterkunft, die für 90 Plätze ausgelegt ist. „Für dieses Heim läuft am 31. Dezember 2011 der Vertrag mit dem Landkreis aus. Deshalb haben wir eine Ausschreibung durchgeführt und lediglich ein Angebot von einem Betreiber erhalten“, sagt Antje Vogel, Leiterin des nordsächsischen Ordnungsamtes auf Anfrage der Kreiszeitung.
Der Betreiber des Torgauer Asylbewerberheimes, die Bühne & Pöller GmbH, habe sich zwar die Ausschreibungsunterlagen abgeholt, dann aber kein Angebot unterbreitet, so die Amtsleiterin weiter. Somit hätte der Kreis dem einzigen Interessenten, der ITB Dresden GmbH, den Zuschlag für Spröda erteilt. ITB betreibt mehrere solcher Einrichtungen in Sachsen und Thüringen, darunter eine in Spröda bei Delitzsch. Laut Vogel wird diese nun um 120 Betten auf eine Gesamtkapazität von 250 Plätzen erweitert.
Wie viele Asylbewerber der Landkreis aufnehmen muss, darauf hat er keinen Einfluss. Entsprechend eines bundesweiten Schlüssels würde dem Kreis vom Freistaat eine bestimmte Anzahl, die variieren kann, zugewiesen. „Für 2011 sind es 125 Personen. Davon haben wir bereits 75 aufgenommen“, erklärt Ordnungsamtsleiterin Vogel. Die derzeit 185 im Landkreis Nordsachsen untergebrachten Asylbewerber kommen aus 16 Nationen.
In Spröda würden sie länderspezifisch untergebracht, um Konflikte untereinander zu vermeiden, sagt die ITB-Heimleiterin Gerda Schördling. Derzeit wird in Spröda ein leer stehendes Haus zur Unterkunft mit zehn Zimmern komplett umgebaut. „Hier wird alles erneuert – vom Fußboden über Fenster und Sanitäranlagen bis zum Mobilar in den Zimmern“, berichtet der Leiter der Ausländerbehörde des Kreises Jörg Kiesewetter. In der Mehrzahl entstünden Zwei- und Drei-Bettzimmer. Ende November soll der Umzug von Torgau nach Spröda beginnen.
Bereits im September 2010 trennte sich der Landkreis von den Asylbewerberunterkünften in Eilenburg und Oschatz. 29 Personen wurden seinerzeit nach Spröda und Torgau umquartiert. Weil sich einige gegen den Umzug wehrten, sorgte das für Schlagzeilen. Politiker und Ausländervertretungen kritisierten die Bedingungen in Spröda. Das wies und weist die Kreisverwaltung zurück. „Wir sind froh mit ITB einen Betreiber zu haben, der viel investiert. Die Ausstattung des Heimes erfüllt die gesetzlichen Vorgaben, die in der Verwaltungsvorschrift zu Art, Größe und Ausstattung von Gemeinschaftunterkünften empfohlen werden. Teils bietet die Ausstattung sogar mehr als gefordert“, so Kiesewetter. Auch die Verkehrsanbindung sei geregelt. Im Stundentakt würden zwei Linien das Heim anfahren, weist Kiesewetter auch diesbezügliche Vorwürfe zurück.