28. Oktober 2011 Karin Rieck (Leipziger Volkszeitung)

Standpunkt - Illusionen und Gerechtigkeit

Im zweiten Arbeitsmarkt klafft ein Loch. Und dass es morgen zugestopft wird, ist nicht zu erwarten. Das bedeutet: Gewohnte und wohl auch bewährte Strukturen, aus diesem zweiten Markt effektiv etwas zu machen, drohen wegzubrechen. Doch es muss Alternativen geben. Entscheidungen, die im Zweckverband Beschäftigungsförderung Nordsachsen mit den Gemeinden Eilenburg und Doberschütz jetzt anstehen, machen möglicherweise auch um andere Dienstleister dieser Art keinen Bogen. Und auch, wenn vielleicht auf dem ersten Arbeitsmarkt einige Löcher mehr existieren als früher, ist es eine Illusion, dass dort sämtliche Arbeitslose eine Perspektive bekommen. Gemeinnützige Bürgerarbeit und Projekte für schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose sind unverzichtbar, weil sie zum sozialen Frieden beitragen. Es ist aber auch gerecht, denen, die von staatlicher Unterstützung leben, für einen gewissen Zuschlag Tätigkeiten fürs Allgemeinwohl zuzumuten. Das dämmt nicht zuletzt bei den Betroffenen das Gefühl, ausgegrenzt zu sein, wenigstens etwas ein. Nicht zu vergessen ist außerdem, dass nicht wenige für einen geringen Lohn auch nicht mehr in der Tasche haben und dafür den ganzen Tag ackern.