21. Juli 2011 Andreas Tappert (Leipziger Volkszeitung)

Standpunkt - Regionalfürsten haben zu viel Macht

Jeder ist sich selbst der Nächste, lautet die Devise im Zweckverband Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL). Die beiden Landkreise Nordsachsen und Leipzig proben bei Abstimmungen über die knappen Mittel den Schulterschluss gegen die Großstadt Leipzig und verteilen immer ungenierter die Nahverkehrsmittel zu ihren Gunsten um. Nach langem Gezerre wurde im Februar beschlossen, die Subventionierung der Döllnitzbahn "letztmalig" bis zum diesjährigen Schuljahresende zu verlängern, seit einigen Tagen fließt wieder "letztmalig" bis Ende 2012 Geld - dieses Spiel könnte sich noch mehrfach wiederholen. Auf Kosten von Leipzig, das deutlich mehr Einwohner zählt als die beiden Kreise zusammen und entsprechend mehr Verkehrsleistungen benötigt.
Schuld daran ist ein Strukturproblem. Denn Sachsen leistet sich fünf Zweckverbände für seinen Nahverkehr, in denen Regionalfürsten vorrangig die Interessen ihrer Landstriche vertreten. In Bayern gibt es dagegen nur eine Landesverkehrsgesellschaft, obwohl dieser Freistaat dreimal mehr Einwohner hat als Sachsen. Dort werden unterschiedliche Verkehrsträger auch aus unterschiedlichen Fördertöpfen finanziert - das System funktioniert deutlich effizienter. Sachsen hat die Weichen in die falsche Richtung gestellt.