Kreisgebiet. Im Zuge der Dauernässe auf vielen Feldern in dieser Region spricht sich der Regionalbauernverband Delitzsch-Torgau für eine kontinuierliche Pflege der Grabensysteme in Nordsachsen aus. Diese läge zunächst in der Hand der Kommunen. Aber auch die Agrarbetriebe würden unterstützend zur Seite stehen, sagte Reinhard Eggert, Geschäftsführer des Verbandes.
"Überlegungen gibt es viele", so Eggert. "Ich glaube aber, man muss nichts Neues erfinden. Die Gemeinden sind in der Pflicht zur Unterhaltung der Gewässer zweiter Ordnung." Hier sei der Ansatz der Landwirte, gemeinsam mit den Bürgermeistern Lösungen zur Grabenpflege zu finden. Ein durchgängiges System müsse gewährleistet werden. "Einzellösungen helfen hier sicher nicht. Wir Landwirte sind bereit, aus unserer Orts- und Sachkenntnis Leistungen anzubieten und durchzuführen. Wir sind vor Ort und können mit unseren Kapazitäten fach- und sachgerecht arbeiten. Das ist unser Angebot."
Mit nassen Feldern und Grabensystemen, die nicht mehr richtig funktionieren, haben Landwirtschaftsbetriebe nach dem langen und niederschlagsreichen Winter deutschlandweit zu kämpfen. In der Altmark beispielsweise wollen sich jetzt Bauern zu regionalen Arbeitsgruppen zusammenschließen, um die Vernässungsprobleme zu lösen. Alte Entwässerungssysteme sollen reaktiviert werden.
Solcher Ansätze bedürfe es laut Eggert im Landkreis Nordsachsen nicht. Denn die Meliorationssysteme seien nach wie vor vorhanden. "Ich denke, dass sie nicht aufgegeben wurden. Sie bestehen noch. Melioration wurde vorrangig zur Entwässerung, aber auch zur Bewässerung betrieben. An diese Systeme muss man sich halten. Andere gibt es nicht." Maßnahmepläne seien zwar richtig, so der Verbandschef weiter, "aber wenn man die Verantwortlichkeiten wahrnimmt, sind sie gar nicht notwendig. Die Systeme gibt es noch überall auf Feldern, Gräben, Vorflutern, Teichen und vieles mehr. Sie müssen schlichtweg nur gepflegt werden."
Für die Kommunen bedeutet dies in erster Linie ein enormer Kostenaufwand. Viele haben die Pflege von Gräben und Bächen in den vergangenen Jahren nur recht spärlich betrieben. In Sachsen-Anhalt übernehmen Wasser- und Bodenverbände im Auftrag der Gemeinden solche Aufgaben. Dafür müssen sie eine Umlage zahlen. Auch in Nordsachsen gibt es einen Wasser- und Bodenverband mit Sitz in Torgau - den einzigen übrigens im gesamten Freistaat. Weitere Verbände zu gründen, sieht Eggert skeptisch. "Neue Verbände und dergleichen brauchen wir hier nicht, das kostet nur zusätzlich. Dafür können wir arbeiten."
Für die Kulturen auf den Feldern stelle die Nässe "bisher kein Problem" dar, schätzt Eggert ein. Bei langen Wasserlachen sei jedoch durchaus "mit einem Totalverlust" zu rechnen. Dies sei regional unterschiedlich und vor allem vom Boden abhängig. Etwa zwei bis vier Prozent der Winterungen könnten letztlich betroffen sein. Hilfen gebe es für die Betriebe nicht. Und die seien "aus heutiger Sicht noch nicht notwendig".
Wie auch immer - die Nässe ist alles andere als gut für die Bauern und ihre Felder. Viele befürchten, dass das Getreide nicht so wachsen kann, wie es sollte und dass sich die Frühjahrsbestellung verzögert, weil die Betriebe mit ihren schweren Maschinen in den aufgeweichten Böden versinken würden.