Kreisgebiet (kr/if/nf). 37 offene Lehrstellen, 39 Bewerber, die auf dem Lehrstellenmarkt noch nicht vermittelt waren. Relativ komfortabel nimmt sich für den aktuellen Jahrgang die Statistik der Arbeitsagentur für den Bereich Nordsachsen mit den Regionen Delitzsch, Eilenburg, Borna und Geithain aus. Seit mit dem Nachwende-Geburtenknick die Zahl der Schulabgänger um etwa die Hälfte zurückgegangen ist, können örtliche Unternehmen und Einrichtungen, was die Zahl der Berufsnachwuchs-Anwärter angeht, nicht mehr so aus dem Vollen schöpfen.
Im Stora-Enso-Papierwerk Eilenburg hat mit dem Beginn des neuen Lehrjahres seit Bestehen des größten Arbeitgebers an der Mulde erstmals nicht ein einziger Berufseinsteiger einen Lehrvertrag unterschrieben. "Wir haben bereits im Januar einen Azubi im zweiten Lehrjahr zum Zerspanungsmechaniker übernommen, der von seinem Ausbilder gekündigt worden war und dem wir eine Fortführung seiner Ausbildung ermöglichen wollten", erklärt die Leiterin für Personalentwicklung, Simone Höge, die Situation. Dazu hätte es Bewerber gegeben, die mit ihren Voraussetzungen nicht ins Profil des Unternehmens gepasst hätten. Vor allem aber führt Höge wirtschaftliche Gründe ins Feld: "Wir hatten 2009 mit mehreren Kurzarbeit-Phasen ein schweres Jahr." Außerdem gebe es bei Stora Enso zurzeit das Phänomen, dass zehn Prozent der Belegschaft Altersteilzeitverträge eingegangen sind, wofür das Werk ebenfalls die Eigenmittel erwirtschaften müsse. Für die Personalplanung sei es deshalb sinnvoll, zwischendurch den älteren Jahrgängen, die gern vorzeitig den Arbeitsmarkt verlassen wollen, eine Chance zu geben. In der Nachwuchsfrage sieht sich das Unternehmen deshalb keinem Druck ausgesetzt, zumal die Lehrlinge, von denen es vom zweiten bis vierten Lehrjahr hier noch insgesamt 16 gibt, nach Möglichkeit auch nach der Ausbildung eine Perspektive eingeräumt werden soll. "Das hängt aber zu einem großen Teil davon ab, wie gut sich der Berufsnachwuchs, den wir in den Bereichen Industriemechaniker, Papier-Technologe und Industriekaufleute entwickeln, macht."
Bei Profilstahl Delitzsch bleibt es in Sachen Ausbildung beim Bewährten. "Wir bilden seit Jahren ein bis zwei Lehrlinge zum Feinwerkmechaniker aus", erzählt Lothar Rackwitz. In diesem Jahr sei bisher ein Lehrling eingestellt worden. Eventuell komme noch ein zweiter als Quereinsteiger hinzu. Das entscheide sich in den nächsten Wochen. Mit ungeeigneten Schulabgängern ist derweil das Heide Spa in Bad Düben konfrontiert. Unter anderem habe es zuletzt an der Qualität der Bewerbungsunterlagen gemangelt, sagte Geschäftsführer Reiner Heun. Andererseits fehlten aber auch Bewerber, was einerseits mit geburtenschwachen Jahrgängen zusammenhängt, andererseits mit der Branche. Denn in der Gastronomie gehöre nun mal das Arbeiten am Abend und an Wochenenden dazu. Das wollten viele Schüler offensichtlich nicht, so Heun.