21. Mai 2011 Heinz Großnick (Oschatzer Allgemeine Zeitung)

Streik nicht abgewürgt

Arbeitsgericht Leipzig weist Antrag der Edeka-Geschäftsleitung auf einstweilige Verfügung ab


Hof/Borna. Richterspruch im Tarifkonflikt bei den Edeka-Auslieferungslagern in Hof, Borna und in Nordbayern: Das Arbeitsgericht Leipzig wies gestern den Antrag der Edeka-Geschäftsleitung zurück, die eine einstweilige Verfügung angestrebt hatten und damit den Streik abwürgen wollten.
"Die Richter haben festgestellt, dass der Streik nicht unverhältnismäßig ist. Die Klage des Arbeitgebers wurde deshalb abgewiesen", freute sich gestern Streikleiterin Sylke Hustan von der Gewerkschaft Verdi. Das Ergebnis sei auch im Feldlager vor den Werktoren im Edeka-Lager in Hof bejubelt worden. "Die Edeka-Geschäftsführung Nordsachsen/Bayern/Thüringen verhandelt jetzt telefonisch mit Verdi und hat ein Angebot abgegeben", informierte Hustan weiter. Das Angebot betreffe mehrere Standorte. "Wir prüfen jetzt mit den Kollegen in den streikenden Lagern, ob das Angebot annehmbar ist. Bei positiver Entscheidung wird der Streik beendet", kündigte die Gewerkschafterin an.
"Der Streik wird dann beendet, wenn eine Unterschrift unter dem Vertrag ist. Nach meiner Kenntnis ist das noch nicht erfolgt. Bis dahin wird der Streik fortgesetzt, auch über das Wochenende", sagte gestern Nachmittag Annelie Schneider, Verhandlungsführerin für den Groß- und Außenhandel in Sachsen der Gewerkschaft Verdi.
Der Arbeitskampf der Edeka-Mitarbeiter in Sachsen stieß sogar in Bayern auf Gehör, wie Julia Zieger, Stadträtin der Linkspartei in Oschatz, gestern informierte. Dort legten nach ihren Angaben Mitarbeiter der Metro aus Solidarität mit den Streikenden in Sachsen die Arbeit nieder. "So liegt das Augenmerk erneut auf den kleinen Ort Hof, der nach den Protesten des vergangenen Jahres um die Schulschließung, an denen sich zahlreiche Oschatzer wochenlang beteiligten, erneut zum Ort des Ausdrucks des Bürgerwillens wird", so Zieger. Der Streik sei ein Grundrecht und das rechtmäßige Mittel zur Durchsetzung der Tarifforderung. Erste Auswirkungen habe dies auch auf Oschatzer Geschäfte der Edeka-Gruppe, die mit Lieferengpässen zu kämpfen hätten. "An dieser Stelle kann jeder Oschatzer Bürger seinen Teil zum Erfolg der Tarifverhandlungen beitragen, Verständnis für die Streikenden und gezielte Kritik an den Methoden der Geschäftsführung sollten in diesem Fall vor Konsuminteressen gehen", wünscht sich die Stadträtin.