6. Juni 2011 Nico Wendt (Torgauer Zeitung)

Trossiner Abwasser ein "Dauerbrenner"?

http://www.torgauerzeitung.com/Default.aspx?t=BenutzerListe%28Autoren%29#6Trossin (TZ). Unsere Zeitung hat am Sonnabend darüber berichtet: Das Landratsamt Nordsachsen weigerte sich, das Abwasserbeseitigungskonzept für die Gemeinde Trossin in der vorliegenden Fassung zu genehmigen. TZ befragte Einwohner in der Region: Was halten Sie von dieser Entscheidung? Bleibt der Abwasserstreit ein Dauerbrenner?

Wolfgang Bergner, Trossin: Es kommt mir vor, als wenn wir hier nur an der Nase herumgeführt werden. Immer wenn wir was Vernünftiges gefunden haben, kommen andere und legen neue Steine in den Weg – wie jetzt mit der „Endmoränen-Geschichte“, wo man sich auf Geologie und Untergrundbeschaffenheit bezieht, was vorher nie eine Rolle spielte. Offenbar muss jetzt alles zentral entsorgt werden. Gleichzeitig droht man, dass keine Fördermittel fließen. Mich stört die Feigheit der Behörde, die sagt: Ihr müsst selbst entscheiden, aber nur in unserem Sinne, sonst lehnen wir es ab. Die Terminkette ist allein schon eine Frechheit: Während sich das Amt zwei Monate Zeit nahm, um das ABK zu studieren, haben wir jetzt nur einen Monat Zeit, um alles neu zu beschließen. Das ist in dieser Frist fast gar nicht möglich.

Armin Müller, Roitzsch: Ich habe mir fast gedacht, dass es so kommen wird. Die Behörden haben nun mal das letzte Wort, selbst wenn von Herrn Geithner damals alles so positiv dargestellt wurde. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Ich selbst besitze ein kleines Grundstück. Die zentrale Variante wäre mir ohnehin lieber. Wir können jetzt nur abwarten, was die Zukunft bringt.

Hendrik Wernicke, Roitzsch: Ich habe mit nichts anderem gerechnet und deshalb schon damals im Bürgermeisterwahlkampf eindringlich gewarnt. Leider wollte das keiner hören. Ich habe es jedenfalls mit dem Beschluss des ABK nicht so optimistisch gesehen wie die Mehrzahl. Wir kämpfen ja schon so lange um die Abwasserentsorgung. Bis jetzt ist es immer an der Behörde gescheitert. Wir hatten ja schon ein Konzept eingereicht. Ich gehe fest davon aus, dass man bei den entscheidenden Stellen eine zentrale Variante will. Deswegen wird bei uns ganz besonders gründlich hingeschaut. Zwar kam mal die Information, dass aus wirtschaftlichen Gründen Orte unter 2000 Einwohner beim Abwasser dezentral entsorgt werden. Aber das ist dann alles Auslegungssache.

Günther Hirsch, Dahlenberg: Es geht ja bekanntlich um den Nachweis, dass Versickerung der geklärten Abwässer möglich ist. Ich erwarte vom AZV, dass er hier auftritt und sagt, was gemacht werden soll und was nicht machbar ist – speziell in Dahlenberg und Roitzsch. Wir dürfen uns nicht geschlagen geben. Nach langer Zeit hatten wir endlich ein Konzept, dass zwar nicht ganz den Vorstellungen der Arbeitsgruppe Abwasser entsprach, dass aber von den Räten beschlossen und vom Verband mitgetragen wurde. Natürlich bin ich enttäuscht, dass die Untere Wasserbehörde nun alles Mögliche heranzieht – selbst Dinge, die vorher keine Rolle spielten. Beispielsweise hat man sich beim Grundwasser auf eine Messstelle in Pressel bezogen und Vergleiche angestellt.

Ingrid Zorn, Trossin: Das Abwasserkonzept ist abgelehnt? Davon wusste ich noch gar nichts! Das ist mal wieder Behördenwillkür. Überhaupt sollte man sich bewusst sein, dass auf den Dörfern immer weniger Einwohner leben. Es gibt riesige Grundstücke, auf denen nur noch wenige Personen – manchmal nur eine alte Großmutter – leben. Uns drohen immense Anschlussbeiträge, wenn zentral entsorgt wird. Warum eigentlich der riesige Aufwand? Warum reicht es nicht aus, wenn jedes Grundstück eine ordentliche Kleinkläranlage hat, die dann irgendwann ausgefahren wird. Man sollte doch die Kirche im Dorf lassen und den Bürgern nicht ständig neue Schwierigkeiten bereiten. In unserer Straße ist eine Abwasserleitung nötig – das alles ist mit riesigen Kosten verbunden.