24. Januar 2011 Leipziger Volkszeitung

"Üble Trickserei mit der Arbeitslosenstatistik"

Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt kritisiert Bundes-Agentur

Kreisgebiet (red). Die Arbeitslosigkeit unter älteren Menschen ist oft höher als offiziell benannt. Darauf hat die IG Bauen-Agrar-Umwelt hingewiesen. Nach Angaben der Baugewerkschaft wurden beispielsweise in Mittelsachsen im Dezember 389 Ältere in der offiziellen Arbeitslosenzahl nicht berücksichtigt. Der Grund: Arbeitslose verschwinden nach einem Jahr aus der Statistik der Agentur für Arbeit, wenn sie in dieser Zeit kein Stellenangebot bekommen haben. Davon betroffen sind nach Angaben der IG Bau Hartz-IV-Empfänger, die älter als 58 Jahre sind.
Die Gewerkschaft kritisiert die "absurde Logik" dieser Regelung: "Hier werden völlig falsche Anreize gesetzt. Wenn ein Jobvermittler die Arbeitslosenzahl in seinem Bereich senken will, erreicht er das am leichtesten dadurch, dass er die älteren Arbeitslosen ein Jahr lang links liegen lässt - bis sie aus der Statistik fallen. Dass diese Menschen in den meisten Fällen arbeitslos bleiben, stört dann offensichtlich keinen mehr", sagte Detlef Zeiß.
Für den Vorsitzenden des IG Bau-Bezirksverbandes Nord-West-Sachsen ist die geltende Regelung "eine üble Trickserei mit der Arbeitslosenstatistik. Mit so geschönten Zahlen entsteht ein verzerrtes Bild von der Beschäftigungssituation Älterer. Es ist nicht lange her, dass Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ältere Menschen zu den Gewinnern am Arbeitsmarkt erklärt hat. Genau das war das Argument für die Rente mit 67 - ein Argument, das jetzt auf sehr wackligen Beinen steht", sagte Zeiß.
Nach Angaben der IG BAU werden bundesweit derzeit 88504 Langzeitarbeitslose nicht in der Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur für Arbeit geführt; allein in Sachsen sind es rund 8030.
"Die Bundesregierung trickst an allen Ecken und Enden, um die Beschäftigungsquote älterer Menschen künstlich hochzurechnen", so Zeiß. So werde die Rente mit 67 "auf Biegen und Brechen" gerechtfertigt.
Der Bezirkschef fordert eine grundlegende Reform des Rentensystems. "Was wir brauchen ist eine Rentenkasse, in die alle einzahlen - Arbeiter und Angestellte genauso wie Beamte und Selbstständige. Was wir bekommen ist die Rente mit 67 - und eine fragwürdige Arbeitslosenstatistik", so Zeiß abschließend.