Die schreckliche Naturkatastrophe in Japan lässt uns dieser Tage an die vielen Menschen denken, die dem Erdbeben und dem Tsunami zum Opfer gefallen sind. Als ob dies alles nicht schon schlimm genug wäre, deutet sich nun auch noch eine Reaktorkatastrophe bisher unbekannten Ausmaßes an, deren Folgen bislang niemand ernsthaft einschätzen kann. Angesichts dieser Ereignisse können wir nicht einfach zur Tagesordnung mit unseren vergleichsweise undramatischen Problemlagen übergehen. Vielmehr sollten wir wenigstens eine Weile in Demut vor den immer nur begrenzt beherrschbaren Naturkräften verharren und danach in Ruhe über die Zukunft unserer Energiepolitik nachdenken. Wahlkampfpopulismus, Besserwisserei und Hysterie auf dem Rücken der Menschen in Japan wie leider in manch einer der schier endlosen Talkshows zu beobachten verbietet sich in dieser Situation.
Die Blitzentscheidung der Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit sofortiger Wirkung die veralteten Meiler vom Netz zu nehmen und die Atomwirtschaft generell einer Sicherheitsüberprüfung zu unterziehen, begrüße ich. Damit ist meine Erwartung verbunden, dass dieses Moratorium nicht dazu missbraucht wird, um die Restlaufzeit von Ministerpräsident Mappus (CDU) zu verlängern. Vielmehr sollte es der Auftakt für eine gesellschaftliche Debatte sein, die den Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg der Kernkraftnutzung unumkehrbar macht. Auch ohne die Gefahr schlimmer Erdbeben und Tsunamis sind wir verpflichtet, uns mit den Risiken menschengemachter Technologien auseinanderzusetzen und lieber spät als gar nicht die notwendigen Schlussfolgerungen zu ziehen.
Dr. Michael Friedrich
Vorsitzender Fraktion DIE LINKE