Kreisgebiet (K.W./kr/ka/cgr). Zahlreiche Kommunen, Verbände und Vereine setzen seit Jahren auf die Arbeitskraft von Ein-Euro-Jobbern. Ob im Sport, im sozialen oder grünen Bereich: Die Einsatzmöglichkeiten waren bislang vielfältig. Doch seit diesem Jahr ist die Liste förderfähiger Maßnahmen, veröffentlicht von der Bundesagentur für Arbeit, deutlich kürzer. Hinzu kommt, dass Gelder für neue Projekte noch nicht freigegeben sind. Ein Desaster für viele Antragsteller.
"Katalog förderfähiger Maßnahmefelder" nennt sich das Papier, das die möglichen Aufgabenfelder für Arbeitsgelegenheiten auf dem zweiten Arbeitsmarkt regelt. Insbesondere im grünen und im sozialen Sektor ist stark ausgedünnt worden. Weggefallen sind zum Beispiel die Heim- und Hausbesuche bei einsamen Menschen, Kreativangebote in Mütterzentren und ähnlichen Einrichtungen, die Pflege von Fuß- Rad- und Wanderwegen sowie die Unkrautbeseitigung im öffentlichen Verkehrsraum. Doch auch Anträge auf Ein-Euro-Jobber, die weiterhin genehmigungsfähig sind, müssen liegen bleiben, bis das zuständige Jobcenter einen sicheren Haushalt fürs aktuelle Jahr hat.
Bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Nordsachsen sind alle Bereiche wie Kindertagesstätten, Jugendarbeit und Altenpflege von der Situation betroffen. "Das trifft uns hart", sagt Kathrin Enders, Geschäftsführerin des Kreisverbandes, und macht die Folgen an zwei Beispielen fest. "In den Kindergärten betrifft das zum Beispiel den Hol- und Bringedienst zum Hort. Das ist nicht Aufgabe der Fachkräfte. In der Kita Löwenzahn in Eilenburg wird das diese Woche zum Beispiel noch ehrenamtlich abgesichert. Ab kommende Woche müssen die Schüler allein gehen, auch Erstklässler." Elf Awo-Einrichtungen im Landkreis bekommen diese Auswirkungen zu spüren. Auch die offene Jugendarbeit bleibt nicht verschont. "Bestimmte Angebote werden wir nicht mehr unterstützen können, für die Fachkraft allein wird es dann schwierig", so Enders.
Quasi in einer Warteposition befindet sich zurzeit auch der Zweckverband für Beschäftigungsförderung Nordsachsen, dem die Stadt Eilenburg und die Gemeinde Doberschütz angehören. Momentan können dort noch bis zum 30. April 15 bis 20 Leute an einem der Projekte teilnehmen, das sind vor allem Reinigungsarbeiten im Ileburg-Stadion sowie für die beiden genannten Kommunen. "Aber wie viele Mitarbeiter danach für welche Maßnahmen vom Jobcenter genehmigt werden, da tappen wir noch völlig im Dunkeln", sagt Geschäftsführerin Elke Hachmeister. Die Hoffnung, dass nach der Winterpause ab Mai beispielsweise wieder die Tafelgärten in der Muldestadt bewirtschaftet werden können - dafür wurden 28 Stellen beantragt - ist groß. Auch die Müllbeseitigung auf Wegen, Straßen und Plätzen in Eilenburg und Doberschütz gehört weiterhin zu den Projekten, auf die der Zweckverband hofft.
Im Verwaltungsverband Wiedemar setzen alle drei Mitgliedsgemeinden auf die Hilfe von Ein-Euro-Jobbern. Anträge für Maßnahmen des Jobcenters laufen zudem in Krostitz - bisher hatte die Gemeinde sechs Ein-Euro-Jobber, vor allem in Kitas und den Schulen.
Keine solchen Hilfskräfte mehr nutzt die Servicegesellschaft Delitzsch. Bereits Mitte Dezember sei die entsprechende Maßnahme ausgelaufen, so Betriebsleiter Andreas Mehnert. Es sei schwer, sinnvolle Arbeiten für die Mitarbeiter zu finden, ohne mit den Vorgaben des Jobcenters in Konflikt zu kommen, erklärt Bürgermeister Thorsten Schöne (parteilos).