Dresden. Die Freude von ganz rechts außen war unverkennbar. "Mit Eilenburg verfügt nun neben Delitzsch die zweite große Kreisstadt in Nordsachsen über ein nationales Schulungs- und Begegnungszentrum", jubelte der NPD-Kreisverband vor wenigen Tagen. Mit Vorträgen und Musik sei "das Objekt" im Beisein von fast 120 Gästen eröffnet worden. Und der Eilenburger NPD-Stadtrat Kai Rzehaczek meinte, das neue Zentrum sei größer als das in Delitzsch - bestens geeignet also für die "Bündelung der verschiedenen Gruppen der nationalen Bewegung".
Bei näherem Hinschauen allerdings stellt sich die Lage etwas anders dar. Weder bei Polizei noch der Stadt Eilenburg ist ein solches Zentrum bekannt. Lediglich von einem Treffen nordöstlich der Stadt ist die Rede, in einem Gasthof in Sprotta-Siedlung (Gemeinde Doberschütz). Das aber sei eine reine Privatfeier gewesen, meint Stadtsprecher Heiko Leihe auf Anfrage. Diese habe die NPD anschließend "zur Begegnungsstätte stilisiert". Auch die Polizei hält den Ball erkennbar flach. "Mir ist kein Schulungszentrum der NPD in Eilenburg bekannt", sagt Revierleiter Peer Oehler.
Ähnlich scheint es um das zweite NPD-Zentrum zu stehen. Denn nach internen Erkenntnissen der Ermittler soll es in Delitzsch lediglich Treffen in einem Gasthof im Ortsteil Zschepen gegeben haben. Auch hier dieselbe Lesart: Es existiere kein festes Objekt, das von den Neonazis für wiederkehrende Veranstaltungen genutzt werden könnte.
Dabei ist dies nicht das erste Mal, dass die Rechtsextremisten Probleme beim Aufbau solcher Schulungszentren haben. So spricht die NPD mittlerweile selbst davon, dass sich ein früherer Versuch des Abgeordneten Alexander Delle in Geithain erledigt habe.
Die NPD Nordsachsen allerdings will von einem aktuellen Scheitern nichts wissen. Zwar räumt Kreischef Maik Scheffler ein, dass es "schwierig ist, ein festes Domizil zu finden". Selbst "Wanderzentren" seien zuerst denkbar gewesen. Mittlerweile aber hat sich das laut Scheffler geklärt. Der Saal nahe Eilenburg sei gebucht, und in Delitzsch existiere immerhin ein kleiner Veranstaltungsort, den ein Privatmann zur Verfügung stelle. Darüber hinaus sei ähnliches in Oschatz geplant.
Wesentlich gravierender als diese Neonazi-Versuche in Nordsachsen aber ist ein bereits existierendes Zentrum. So gibt es in der Leipziger Odermannstraße seit Jahren einen Saal, in dem nicht nur Vorträge und Liederabende über die rechtsextreme Bühne gehen. Dort befindet sich auch das Büro des NPD-Abgeordneten Winfried Petzold. Darüber hinaus trainiert dort laut Ermittlern eine sogenannte Ordnungstruppe, und es gebe ganz offensichtlich Verbindungen zur radikalen Szene der "Freien Kräfte" und zu Hooligans.