Nordsachsen/Herzberg (TZ/seb). Das Stipendienprogramm, mit dem der benachbarte Elbe-Elster-Kreis Mediziner an seine Region binden will, ist auch bei hiesigen Kreispolitikern auf Interesse gestoßen. Parteiübergreifend wird allerdings die Finanzierung als größtes Hindernis betrachtet, das Programm auch auf Nordsachsen zu übertragen.
Die TZ hatte am Donnerstag darüber berichtet, dass Elbe-Elster seit dem laufenden Wintersemester jährlich fünf Medizinstudenten in ein Programm aufnehmen will, die pro Semester mit 500 Euro unterstützt werden. Im Gegenzug müssen sich die Studenten verpflichten, nach abgeschlossener Ausbildung mindestens vier Jahre im Landkreis Elbe-Elster tätig zu sein. Getragen wird das Programm im Nachbarkreis vom Landratsamt, der Sparkassenstiftung und dem kreiseigenen Elbe-Elster-Klinikum.
„Ein Kreisstipendienprogramm für den dringend gebrauchten Medizinernachwuchs ist eine interessante Idee“, sagte Albert Pfeilsticker, Fraktionschef der CDU im Kreistag Nordsachsen auf TZ-Anfrage. Zuerst müsse jedoch daran erinnert werden, dass die politische und rechtliche Verantwortung für diese wichtige Frage der ambulanten ärztlichen Versorgung bei der Kassenärztlichen Vereinigung liege. „Die Krankenhäuser im Kreis müssen sich ebenfalls um ihren Nachwuchs bemühen. Der Landkreis kann in dieser Frage moderieren und übt bereits erheblichen politischen Druck aus“, erklärt der CDU-Politiker. Es müsse also mit diesen Verantwortlichen zunächst über das Programm diskutiert und sichergestellt werden, dass diese es mittragen.
Auf den Versuch würde es Dr. Michael Friedrich, Fraktionsvorsitzender der LINKEN, ankommen lassen. Der Elbe-Elster-Kreis habe eine „clevere Idee“ entwickelt, die zwar freilich nur mittelfristig Wirkung erziele, dafür aber umso nachhaltiger sei. Friedrich erinnert aber auch an die prekäre Haushaltssituation des Landkreises Nordsachsen.
Er befürchtet, dass diese zusätzliche freiwillige Aufgabe „Ärzteförderung über gemeinsame Stiftung“, die natürlich ein klein wenig koste, sofort am Veto der Kommunalaufsicht scheitern würde. Vielleicht könne man die Stiftung aber auch so ausgestalten, dass Nordsachsen für die Zeit der Haushalts-Sicherung nur „stilles“, also nichtzahlendes Mitglied ist und dessen Beiträge in dieser Zeit von anderen Partnern übernommen werden. Die finanzielle Situation bereitet auch dem Chef der gemeinsamen Fraktion von SPD und Grünen, Heiko Wittig, Kopfzerbrechen. Ein Stipendienprogramm wie im Nachbarkreis sei „bei uns wohl aus finanziellen Gründen – wir hoffen auf eine Bedarfszuweisung vom Land! – leider undenkbar.“ Nichtsdestotrotz müsse auf jeden Fall geprüft werden, ob die Kommunalaufsicht bei der Landesdirektion in Leipzig solch einen Beschluss im Kreistag Nordsachsen unterstützen und nicht kassieren würde. „Hier wäre Geld absolut richtig angelegt! Dass es dafür von uns uneingeschränkte Unterstützung gäbe, ist selbstverständlich“, so Heiko Wittig.
Das Landratsamt Nordsachsen hatte bereits angekündigt, im kommenden Jahr Kontakt zum Nachbarkreis aufzunehmen, um sich zu informieren. Dort zeigte man sich auf TZ-Nachfrage gesprächsbereit.