Nordsachsen (TZ/ej). Was wäre die Volkssolidarität als Sozial- und Wohlfahrtsverband ohne ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter, ohne deren unermüdliche Einsatzbereitschaft und soziales Engagement? Die ehrenamtliche Tätigkeit im Verband sowie das Zusammenwirken mit den hauptamtlichen Mitarbeitern sind eine der Säulen, die die Volkssolidarität tragen. Auf die insgesamt 2600 Mitglieder des Regionalverbandes der Volkssolidarität Torgau kommen derzeit 300 Ehrenamtliche. Die Generation 60+ spielt dabei eine große Rolle, wie Axel Klobe, Geschäftsführer des Regionalverbandes der Volkssolidarität im Gespräch mit der Torgauer Zeitung noch einmal verdeutlichte.
TZ: Ist das Ehrenamt in einer Organisation wie der Volkssolidarität eine Chance für die Generation jenseits der 60?
Axel Klobe: Dem würde ich voll zustimmen. Allerdings müssen sie unterscheiden, ob jemand tatsächlich und ausschließlich ehrenamtlich tätig sein möchte oder sich etwas zur Rente dazuverdienen will. Letzteres ist bei uns nicht möglich. Wir haben immer wieder viele Anfragen von Bürgern, die sich ihre Rente aufbessern wollen. Aber das wäre mit dem Ehrenamt nicht vereinbar. Bei uns sind viel mehr Dank und Anerkennung der Lohn für die getane Arbeit. Wem das nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben fehlt, der ist bei uns an der richtigen Adresse.
Generell ist die Generation 60+ bei Ihnen also herzlich willkommen?
Die Volkssolidarität breitet ihre Arme weit aus für jeden, der sich ehrenamtlich engagieren will. Wir bieten ein gutes Team, interessante Aufgaben und auch die notwendige Weiterbildung.
Wie sieht es denn momentan mit dem Altersdurchschnitt Ihrer Ehrenamtlichen aus?
Die meisten sind weit über 70 und damit älter als der Mitgliederdurchschnitt. Die Generation 60+ wäre tatsächlich guter Nachwuchs für uns, unsere Ortsgruppen oder als Helfer und Mitreisende bei unseren Fahrten.
Wie wichtig ist dieser Nachwuchs gerade jetzt?
Sagen wir es so: In den nächsten fünf Jahren könnten wir gut und gern über hundert Freiwillige aufnehmen.
Was spricht für die Generation 60+?
Sie bringt jede Menge Lebenserfahrung mit. Außerdem befinden sie sich heutzutage in einem ganz anderen Lebensrhythmus als zum Beispiel noch vor zehn Jahren. Da galt man ab 60 ja bereits als alt. Heute ist das anders. Hier ist ein sichtbarer Wandel eingetreten. Allerdings gibt es durch diesen Wandel auch immer weniger, die helfen wollen. Viele nehmen sich erst einmal eine Auszeit, gehen auf Reisen, wollen nach der jahrelangen Arbeit erst einmal was erleben und haben dadurch natürlich kaum Zeit für ein Ehrenamt.
Wo wird der von Ihnen angesprochene ehrenamtliche Nachwuchs denn am dringendsten benötigt?
Vor allem in den Ortsgruppen. Die sogenannten Volkshelfer sind wirklich wichtig. Mit ihnen steht und fällt die Arbeit vor Ort. Mit Helfern ab einem Alter von 60 Jahren könnte man langfristiger planen. Das würde die Arbeit in vielen Fällen vereinfachen und effektiver gestalten.
Gibt es momentan ganz konkrete Engpässe?
Die gibt es. Zum Beispiel ist der Leiter unseres Malzirkels leider kürzlich verstorben. Damit hängt die ganze Gruppe in der Luft. Wenn sich hier jemand finden würde, der das Ehrenamt übernimmt, das wäre schön. Auch für Belgern suchen wir immer noch einen Ortsgruppenleiter.