21. November 2011 Christian Wendt (Torgauer Zeitung)

Was halten Sie vom aktuellen Projekt der Grundschule Arzberg?

Arzberg (TZ/cw). Die Arzberger Grundschule müht sich derzeit um die Anerkennung eines inklusiven Schulversuchs. Behinderte und nicht behinderte Kinder sollen hier nach Vorstellung der Schulleitung und des Schulfördervereins gemeinsam unter einem Dach unterrichtet werden. Schulleiterin Silke Dolecek hatte erst vor wenigen Tagen im Gemeinderat das Konzept erläutert. Was die Arzberger Bürger von der Idee halten, versuchte die Heimatzeitung mit nachfolgendem Interview herauszufinden.

Günter Nicolai: Inklusion ist eine hervorragende Idee und besser als alles andere vorher. Die gegenseitige Beeinflussung von Schülern mit und ohne Behinderung sollte das Natürlichste auf der Welt sein und nicht nur auf die Grundschulen beschränkt. Ausgrenzung ist nicht das wahre Leben.

Hannelore Stößer:
Die gemeinsame Sozialisierung der Schüler ist erstens eine große Chance für die Kinder selbst. Man erlebt es heute ja nur allzu oft, dass dies kaum noch gegeben ist. Zweitens böte das Konzept natürlich auch mehr Sicherheit hinsichtlich des Fortbestands der Schule.

Bodo Schmidt:
Ich habe grundsätzlich nichts gegen Inklusion. Allerdings habe ich Bauchschmerzen, wenn ich an all die baulichen Veränderungen denke, die es in Arzberg noch geben muss – allen voran der Einbau eines Aufzugs. Ob das die Kommune bei all den jetzt schon existierenden finanziellen Sorgen stemmen kann, ist meiner Meinung nach fraglich

Frank Hellwig:
Dass die Arzberger Schule eine inklusive Bildungseinrichtung werden will, halte ich durchweg für eine äußerst positive Sache. Wenn Behinderte mit Nichtbehinderten gemeinsam unterrichtet werden, kann dies dazu beitragen, Vorurteile abzubauen. Ich hoffe, dass die Schule Erfolg hat, und der Schulversuch genehmigt wird.

Gerald Griethe:
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich ein wenig skeptisch bin. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das gemeinsame Unterrichten funktioniert. Ich lasse mich jedoch gerne eines Besseren belehren.

Wilfried Schreiber:
Das gemeinsame Lernen bietet doch für alle etwas. Für Nichtbehinderte ist es wichtig, dass sie den Umgang mit Behinderten lernen. Gleichsam ist es für behinderte Schüler in meinen Augen ebenso wichtig, dass sie in einem gemeinsamen sozialen Umfeld viel stärker gefordert werden.

Hartmut Zweigler:
Ich habe überhaupt nichts gegen diese Idee. Warum soll irgendetwas gegen eine gemeinsame Beschulung sprechen? Wenn die Voraussetzungen dafür geschaffen sind, sehe ich überhaupt keine Schwierigkeiten.