Kreisgebiet. Schulpolitik, vor allem im ländlichen Raum Nordsachsens - das Thema prägte zwei mit Informationen voll gestopfte Veranstaltungen am Mittwochabend in Eilenburg. Das Leipziger Büro der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung lud dazu in den Roten Hirsch. Anschließend bat der Vorstand des Kreiselternrates in die Mensa des Martin-Rinckart-Gymnasiums die Repräsentanten der nordsächsischen Schulelternvertretungen zur Konferenz, worüber noch zu berichten sein wird.
Im Roten Hirsch war Eva-Maria Stange, die frühere sächsische Wissenschaftsministerin und bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, gefragte Gesprächspartnerin, als sie sich durch dichten Nebel und Autobahn-Stau mit kleiner Verspätung in die Muldestadt vorgekämpft hatte. "Schulen sind für die Entscheidung, in ländlichen Gegenden zu leben, unerlässlich", stimmte deshalb zunächst Ursula Fritzsche - die SPD-Kreisvorsitzende saß wie der Chef des Kreistags-Schulausschusses Heiko Wittig (SPD) ebenfalls im Präsidium - auf das Thema ein. Die Schulnetzpläne, die im Raum Torgau-Oschatz aus dem Jahr 2005 und im Altkreis Delitzsch aus dem Jahr 2007 stammen, stünden bis 2014 zur Novelle an, fügte Wittig an. "Das ist zu spät", erntete Fritzsche keinen Widerspruch. Wittig relativierte: Der Kreistag sei an diesem Thema dran. Entsprechende Informationen der Schulnetzplaner sagten bisher aus, wie mehrfach an dieser Stelle berichtet, dass es vor allem im Raum Delitzsch-Eilenburg in den Mittelschulen, Gymnasien, Förder- und Berufsschulen kaum Probleme gebe. Umso mehr müssten nach den Schulschließungen der vergangenen Jahre die letzten beiden ländlichen Mittelschulen, neben Mockrehna vor allem die in Krostitz, "in sicheres Fahrwasser". Mit Schülern aus Delitzsch und dem Eilenburger Stadtteil Berg könnten im Bierdorf die Zahlen verbessert werden, hieß es. "Aber bei Kultus drehen sich die Räder langsam", bedauerte Wittig.
Als "Einrichtungen unter Beobachtung" waren unter den elf betroffenen sogenannten Grundschul-Wackelkandidaten in Nordsachsen detaillierter Löbnitz, Authausen, Jesewitz, Zschortau einmal mehr in der Debatte. Wittig zu seinem Heimatort Löbnitz: Bei den zurzeit 15 Anmeldungen würden sich zwei bis drei Elternhäuser für einen Wechsel ins evangelische Schulzentrum Bad Düben interessieren, was ein Zünglein an der Waage sein könnte, obwohl freie die staatlichen Schulen nicht gefährden sollten. Beides sei möglich, griff Ex-Ministerin Stange schließlich in die Diskussion ein, "wenn sich das Land Sachsen eindeutig zur Einzügigkeit von Schulen bekennen" und nicht mit vielen Ausnahmeregelungen operieren würde. Was sich hier zurzeit abspiele, sei "weit weg von Ruhe und Qualitätsentwicklung". Die ersten Eltern drohten bereits mit dem Klageweg.