Berlin/Nordsachsen (TZ/seb). Heute könnte ein wegweisender Tag für Nordsachsen und ganz speziell für die Torgauer Region werden. An zwei Orten wird parallel über die Zukunft des wichtigsten Infrastruktur-Projekts der vergangenen 20 Jahre gestritten: die B 87neu. In Leipzig tagt der regionale Planungsverband unter Beteiligung des Landkreises und in Berlin treffen sich Vertreter von Landkreis, Stadt Torgau und IHK Leipzig mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU).
Vermittelt hat diese Zusammenkunft der CDU-Bundestagsabgeordnete Manfred Kolbe. „Es geht nichts über das persönliche Gespräch und den Eindruck, den man dabei vermitteln kann. Ich denke, die Region ist optimal vertreten, um darzustellen, wie nötig wir diese Straße brauchen.“ Dem werde sich auch der Verkehrsminister nicht verschließen können, geht Manfred Kolbe optimistisch in das heutige Treffen. Von der Torgauer Wirtschaft wird das hoffnungsvoll, aber auch abwartend beobachtet. „Ich hoffe sehr, dass sich etwas bewegen lässt, aber das wird schwierig“, sagte beispielsweise der Geschäftsführer des Torgauer Maschinenbaus, Eckhard Knöchelmann.
Die Berlin-Reisenden aus der Region haben deshalb klare Ziele für den heutigen Nachmittag: „Wir erwarten, dass der alte Bundesverkehrswegeplan mit einer durchgängigen 4-spurigen Bundesstraße nach wie vor gültig bleibt und dass die LeiLa-Studie konsequent umgesetzt wird“, bringt sich Torgaus Oberbürgermeisterin Andrea Staude (SPD), die per Bahn nach Berlin reisen wird, in Position. Landrat Michael Czupalla, der momentan als Präsident des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes in den Vereinigten Staaten weilt, schickt seine Verkehrsexpertin und Ordnungsdezernentin Angelika Stoye an die Spree. „Der Verwaltung ist es wichtig, im Sinne der zukünftigen Entwicklung der Region, die Notwendigkeit einer 4-spurigen Bundesstraße B 87n zu verdeutlichen und dafür zu werben. Von der Realisierung dieses Straßenbauprojektes hängt die zukünftige Entwicklung in der Region maßgeblich ab“, ließ der Landrat mitteilen. Auch die IHK zu Leipzig erwartet vom Bund „ein klares Bekenntnis zum vierspurigen Ausbau B 87, so wie auch im Bundesverkehrswegeplan vorgesehen“, so ihr Präsident Wolfgang Topf. Die Kammer entsendet heute ihren Experten für Wirtschafts- und Standortpolitik, Frank Hahn.
Die Handwerkskammer zu Leipzig ist zwar nicht in Berlin vertreten, ihr Leiter der Abteilung kommunale Wirtschaftsförderung, Christian Likos, kann die Forderung der Kammerkollegen aber unterschreiben: „Eine leistungsfähigere B 87n schafft eine bessere Verbindung zwischen Leipzig und Frankfurt/Oder und erschließt gleichzeitig die Regionen Eilenburg und Torgau.“ Zudem habe die Straße „Potenzial für eine Europaverbindung“. „Ich wünsche mir, dass man sich in Berlin alle Argumente anhört und anschließend nochmals in die Abwägung geht“, so der HWK-Vertreter.
Daumendrücken für das Treffen in Berlin, auch aus dem brandenburgischen Nachbarkreis Nordsachsens, Elbe-Elster. Dessen Landrat Christian Jaschinski begrüßt den Vorstoß aus Sachsen, die Forderungen und Wünsche der Region direkt an Bundesverkehrsminister Ramsauer heranzutragen. „Wir unterstützen das Anliegen voll und ganz, weil Sachsen und Brandenburg gleichermaßen von einem Straßenausbau profitieren würden.“