9. Juni 2011 Julia Heide (Torgauer Zeitung)

"Wir fordern mehr Freizeitangebote"

Belgern (TZ). „Auch Jugendliche können in ihrer Region etwas bewegen, Kritik äußern und in ihrer Kommune Veränderungen erwirken“, ermutigt Beate Senftleben am Montagnachmittag die anwesenden fünf Jugendlichen aus Belgern, als sie das neue Projekt, das auf Initiative des Evangelischen Jugendbildungsprojektes beruht, vorstellt.
„Es dient zur Umsetzung des Lokalen Aktionsplanes Nordsachsen, welches im Rahmen des geförderten Bundesprogrammes „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ Anfang des Jahres ins Leben gerufen wurde und junge Menschen dazu aufrufen soll, sich in unserer Demokratie zu engagieren, sich gegen die Äußerungen rechtsextremistischer Gruppierungen zu wehren und vor allem Erfahrung zu sammeln, dass sich Engagement auf jeden Fall lohnt“, bekräftigt Beate Senftleben die Idee.

Und bereits seit April sind Jugendliche in Beilrode, Torgau und Dommitzsch aktiv, sich Gedanken zu machen, wie ihre Umgebung besser gestaltet beziehungsweise aufgewertet werden kann. Am Montag fiel im Klosterhof dann auch der Startschuss in der Rolandstadt. Auch hier öffnete eine sogenannte Zukunftswerkstatt ihre Türen. „Wir haben im Vorfeld in Form von Flyern darauf aufmerksam gemacht, dass Jugendliche, die Interesse haben in ihrer Region etwas zu bewegen, daran teilnehmen können. Umso mehr haben, wir uns gefreut, dass zumindest fünf junge Menschen den Weg hierher gefunden haben. Gerne können auch im Nachhinein noch weitere bei uns einsteigen und sich für ihre Region, für ihre Freunde und für eine bessere Zukunft stark machen“, so Daniela Voigt, die zusammen mit ihrem Mann Sven Richter die Verantwortung der Gruppe in Belgern übernommen hat.

Und bereits beim ersten Treffen am Montag war die Gruppe, bestehend aus drei Mädchen und zwei Jungen im Alter von 12 und 13 Jahren, kaum zu bremsen in ihren Ideen und Anregungen. Um jedoch schrittweise Zugang zum Projekt zu finden und die Problematik zu verstehen, teilte die Projektleiterin Beate Senftleben das erste Treffen mit den Jugendlichen in drei Phasen ein. In der ersten Phase durften sie alles aufschreiben, was sie in Belgern, in ihrer Heimatstadt, stört. „Sie durften quasi frei von der Leber weg wild drauflosmeckern“, fährt Beate Senftleben fort.

Nach etwa zehn Minuten legten alle ihre Stifte weg. Die Zettel, auf denen stand, was die Jugendlichen an Belgern stört, wurden dann an eine Pinnwand geheftet. Es schien, als würden die Gedanken kein Ende nehmen wollen. „Für uns Jugendliche ist in Belgern kaum was geboten. Es fehlt uns an Spielplätzen und Freizeitangeboten. Das Ferienlager in Belgern verfällt immer mehr und Jugendtreffs gibt es hier überhaupt nicht mehr“, erzählt Lukas, der Teil der Gruppe ist, die in Belgern was bewegen wollen. Und das waren nur einige Punkte von vielen, die an diesem Nachmittag Erwähnung fanden.
Als dann der Ärger sprichwörtlich von der Seele geredet war, ging die Truppe in Phase zwei über: Wie wünschen wir uns Belgern, wie soll unsere Stadt 2020 aussehen? Das war die Fragestellung an die Schüler, die ohne Pause und sichtlich motiviert ihre Aufgabe sehr ernst nahmen. Sie nahmen sich daraufhin ein großes Blatt Papier und zeichneten dann in Form eines Stadtplans auf, wie Belgern zukünftig noch schöner und attraktiver gestaltet werden kann. Der Ideen-Vielfalt waren jedenfalls keine Grenzen gesetzt. Finanzielle Aspekte oder gar die Maßgabe, nur realistische Vorstellungen zu äußern, sollten vorerst ausgeblendet werden.

Nach etwa 20 Minuten stellten die Jugendlichen ihr Belgern in Form einer kleinen Reiseführung vor. Dabei war deutlich festzustellen, dass besonders das Bad „Erlengrund“ und die fehlenden Spiel- und Freizeitmöglichkeiten in Belgern für sie eine wichtige Rolle spielten und ihrer Meinung nach die Stadt künftig mehr dafür investieren sollte. „Wir müssen immer so weit fahren, wenn wir in ein vernünftiges Bad wollen. Das Bad „Erlengrund“ bietet einfach nicht genügend Attraktionen. Eine Rutsche würde ja ausreichen, um mehr Kinder beziehungsweise Jugendliche ins Bad zu locken“, so Lena und Marie, die ebenfalls Mitglieder der Projektgruppe sind. Aus diesem Grund wollen die Projektleiterin des evangelischen Jugendbildungsprojektes wintergrüne Beate Senftleben und die Verantwortliche für Belgern Daniela Voigt in den nächsten Wochen mit dem Bürgermeister Harald Thomas einen Termin vereinbaren, um die Anregungen und Wünsche der Jugendlichen anzubringen und eventuell eine Zusammenarbeit zu fördern. Damit wäre dann auch die Phase drei gemeistert: Ziele setzen, die es gilt durchzusetzen und sich zu engagieren.

Wer mehr Informationen zum Projekt und zum aktuellen Vorhaben braucht und daran teilnehmen möchte, der kann sich gerne bei Beate Senftleben in der wintergrüne in Torgau unter der Telefonnummer 03421 703480 melden. Weitere Infos zum lokalen Aktionsplan Nordsachsen gibt es auch unter www.lap-nordsachsen.de. Die nächste Station wird Schildau sein. Auch hier wird sich die wintergrüne mit Jugendlichen zusammensetzen und über ihre Gemeinde diskutieren. Wir dürfen auf jeden Fall gespannt sein, was uns noch so alles erwartet und zu was die Jugendlichen aus unserer Region fähig sind. Die TZ bleibt auf jeden Fall dran.