16. September 2011 Frank Lehmann (Torgauer Zeitung)

"Wir können uns keine Ärzte backen"

Torgau (TZ). Mit höheren Honoraren und weiteren Anreizen sollen Ärzte künftig in dünn besiedelte Regionen, wie den Landkreis Nordsachsen, speziell die Region Torgau-Oschatz gelockt werden. Das sieht der Entwurf des neuen Versorgungsgesetzes der Bundesregierung vor. Nachdem die Torgauer Zeitung dazu bereits das Gespräch mit Dr. Klaus Heckemann, Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen suchte, stellte sich nun Nordsachsens Amtsärztin Ellen Futtig den Fragen der Heimatzeitung.

TZ: Was kann die Landkreisverwaltung zur Sicherung der medizinischen Versorgung in Zukunft tun?
E. Futtig:
Ich muss voranstellen, dass der Landkreis keinen Auftrag zur Sicherstellung hat. Als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge wenden wir uns natürlich dieser Problematik zu. So bieten wir beispielsweise unsere Möglichkeiten zur breiten Meinungsbildung oder als Plattform von Treffen.

Was halten Sie von dem Gesetzentwurf und seiner Wirkung?
Ich habe die verschiedensten Entwürfe gesehen. Wir können uns aber keine Ärzte backen. Ich sehe das eher als Verteilungsproblem. Betrachtet man die gesamte Bundesrepublik, dann sind wir doch im europäischen Vergleich gut aufgestellt.
Ich komme nochmals auf den Entwurf zurück. Wird ein entsprechendes Gesetz   das hiesige Problem lösen?
Das lässt sich nicht von heute auf morgen generell verbessern. Wir befinden uns schon auf einem guten Weg. Die Gesamtsituation wird sich auch mit dem Gesetz nicht schnell verändern.

Was bedeutet das für Ihre Arbeit?
Ein Ringen um Kompromisse muss fortgesetzt werden. Wir sind gegenwärtig schon in der Vorbereitung der Regionalkonferenz am 30. November zu diesem Thema. Wir hoffen auf eine hohe Beteiligung der Ärzteschaft und der Bürgermeister des gesamten Landkreises.

Die mobile Arztstation wird mit Blick auf die Zukunft propagiert. Was meinen Sie dazu?
Das scheint nicht aus der Luft gegriffen. In Leipzig beispielsweise hat sich bereits ein Gesundheitsnetz gebildet, das auch die fachärztliche Versorgung verbessert.  Warum sollten die Kommunen nicht die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass Räumlichkeiten mit entsprechender Internetausstattung zur Verfügung stehen, die an verschiedenen Tagen dann von verschiedenen Ärzten genutzt werden können. In Torgau geschieht dies ja schon beispielhaft in der Hausarztpraxis Schulze.

So unproblematisch kann das Ganze aber nicht sein?
Ja, in den dünn besiedelten Regionen ist die Frage des Vertretungs- und Bereitschaftsdienstes durch die Kassenärtzliche Vertretung (KV) speziell an den Feiertagen und Wochenenden noch ein offenes Problem.