11. November 2010 Kathrin Kabelitz (Leipziger Volkszeitung)

"Wir müssen den Druck erhöhen"

B87 neu: Kreisverwaltung und Bürgermeister wollen an einem Strang ziehen


Torgau. Der ersten Runde sollen weitere folgen. Nordsachsens Landrat Michael Czupalla (CDU) macht Druck in Sachen B87 neu und will dafür auch Bürgermeister der betroffenen Gemeinden mit im Boot haben. Czupalla lud deshalb gestern Nachmittag zu einer ersten Absprache auf Schloss Hartenfels.
Es soll weitergehen, obwohl es derzeit nicht weitergeht. Das Neubauprojekt befindet sich seit 2008 auf dem Verfahrensweg zur Erlangung des Baurechts. Wie berichtet, ruht aber das Raumordnungsverfahren seit März und eine Weiterführung sei derzeit nicht in Sicht, hieß es kürzlich aus der Landesdirektion Leipzig. Das Problem: Die Teilfortschreibung des Regionalplanes Westsachsen ist noch nicht abgeschlossen, aber notwendig, um regionalplanerische Festlegungen innerhalb des Trassenkorridors für die B87 neu mit den Erfordernissen des überregionalen Straßenbauvorhabens in Einklang zu bringen. Mit einem Satzungsbeschluss ist deshalb vor 2011 nicht zu rechnen.
"Wir sollten bekennen, dass wir diese Straße nicht nur wollen sondern brauchen. Wir müssen den Druck erhöhen", unterstrich Czupalla mit Blick auf die wirtschaftliche und funktionelle Bedeutung dieser von West nach Ost geplanten Verkehrsachse. Trotz Planungsstopp sollen inhaltliche Abstimmungen weitergeführt werden. Dies auch unter dem Gesichtspunkt, dass es "in den Gemeinden unterschiedliche Auffassungen bezüglich der Trassenführung gibt." Dennoch sei ein geschlossenes Auftreten der betroffenen Orte gefordert.
Schon jetzt lassen die ersten Verfahrensschritte erahnen, dass optimistische kurzfristige Zeitschienen auch in der Region Nordsachsen nicht mehr denkbar sind. "Bei der ersten Auslegung der Regionalplanfortschreibung gab es 2000, bei der zweiten 3000 Stellungnahmen. All diese müssen mit großer Sorgfalt bearbeitet werden", verdeutlichte Hartmut Grabmann mit Blick auf mögliche und das Verfahren weiter verzögernde Rechtsschritte. Welche das auch sein können, machte Ulrich Fiedler klar. Der Umweltdezernent brachte unter anderem die drei zu querenden Flussauen (Parthe, Mulde, Elbe) ins Spiel, diese Bereiche würden viel Konfliktpotenzial in sich bergen.
"Wir brauchen eine Linienführung, die eine breite Akzeptanz hat", sagte Czupalla. Wohl wissend, dass eine letztlich gültige Trasse in jedem Fall eine Kompromisslösung, mit der die einen Kommunen mehr, andere weniger leben könnten, sein muss. Unabhängig davon und mit Blick auf Stuttgart 21 sei eine offensive, transparente und umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit nötig. "Die Vorhabensträger sollten über jeden einzelnen Planungsschritt informieren", so Grabmann.
Bürgermeister wie Ralf Tauchnitz (Jesewitz) unterstützen die Forderung, das Projekt so schnell wie möglich voranzutreiben. "Die B 87 neu wird gebraucht. Das werden wir ab 9. Dezember in Taucha wieder merken."Am Tag zuvor soll die Weiterführung der die Region entlastenden Ortsumgehung bis Jesewitz freigegeben werden. Kein Verständnis zeigte Tauchnitz in Sachen Regionalplanung. Nach der ersten Trassenführung hätte es 2000, nach der zweiten 3000 Stellungnahmen gegeben. "Ich bin gespannt, was nach der dritten Variante kommt."