Kreisgebiet. Der Katastrophenschutz wird derzeit in Sachsen neu strukturiert. Kameraden aus dem Landkreis üben massive Kritik an der Informationspolitik. Das wurde während der Ausschusssitzung des Kreisfeuerwehrverbandes (KFV) Torgau-Oschatz in Taura deutlich. Dort stellte Matthias Bessel vom Landesfeuerwehrverband das Konzept zur Neuordnung vor. Die Ausgangslage: Der Bund zieht sich aus dem Katastrophenschutz zurück, damit kommen auf Länder und Landkreise erhebliche Lasten zu. Denn die müssen die Neuordnung organisieren und finanzieren.
Zur neuen Struktur existiert bereits ein Konzept - erarbeitet vom Sächsischen Innenministerium in Zusammenarbeit mit Feuerwehren und Hilfsorganisationen. Darin ist vorgesehen, dass Fahrzeuge der Wehren neu verteilt werden. Um Kosten für Neuanschaffungen zu sparen, sollen bereits vorhandene Fahrzeuge auch für den Katastrophenschutz zur Verfügung stehen. "Die Fahrzeuge werden hin und her verschoben und keiner weiß, was das soll", sagte Peter Schwenckner, amtierender Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Delitzsch, gestern auf Anfrage der Kreiszeitung.
Geplant ist, dass in jedem Landkreis Sachsens jeweils zwei der Löschzüge Retten, Wasserversorgung und ABC-Gefahrgut stationiert sind. Mit der neuen Planung wurden die Einheiten Retten und Wasserversorgung von 26 auf 20 reduziert, gleichzeitig sollen ABC-Einheiten von 19 in 26 Landkreisen auf 20 in 10 Kreisen aufgestockt werden. "Ich halte das Konzept für eine Punktlandung. Es geht darum, Vorhandenes zu nutzen und zu verteilen, um flächendeckend einsatzfähig zu sein", so Bessel. "Es fehlt aber das Verständnis bei einzelnen Wehren. Bisher waren Katastrophenschutz und Feuerwehr strikt getrennt." Unter anderem werde befürchtet, dass es zu Engpässen in der Einsatzfähigkeit der Feuerwehr kommen könnte.
Allerdings sind noch mehr Fragen offen. Kameraden kritisieren vor allem eine fehlende Informationspolitik. Bisher sei nicht bekannt, wo die Kat-Schutz-Züge stationiert werden und welche Fahrzeuge dazugehören. Auch Hans-Jürgen Ebert, Wehrleiter in Schmannewitz , fühlt sich im Stich gelassen. "Wir wissen im Moment gar nicht, welche Löschzüge noch existieren und ob wir noch dazugehören. Es redet keiner mit uns und wir werden für dumm verkauft." Die geänderte sächsische Katastrophenschutverordnung gilt seit Dezember. Bessel: "Wir müssen nun auch dem Landkreis Zeit geben, einen Plan zu erarbeiten." Bis Ende 2011 soll die Neuordnung umgesetzt sein. Auch das Vorgehen der Behörden bei der Neustrukturierung stieß auf massive Kritik.
"Es ist haarsträubend, wie an der Neuordnung gewerkelt wird", so der ehemalige Kreisbrandmeister Heinz Noll. "Da legt die Landesdirektion fest, dass wir zwei Fahrzeuge nach Leipzig geben, von dort kommen dann wieder zwei in den Landkreis zurück. Und der Schlauchwagen aus Lampersdorf soll an die Landesfeuerwehrschule, während woanders einer für die Feuerwehr gekauft wird", so Noll.
Schwenckner kritisiert: "Das Ganze hat weder Hand noch Fuß. Es ist nicht erkennbar, wo es hingeht." Am 5. April trifft sich der Vorstand des Delitzcher KVF und am 19. April ist Mitgliederversammlung. Dann seien die neuen Strukturen auch Thema im Delitzscher Verband.