25. März 2011 Eileen Jack (Torgauer Zeitung)

Wirklich das Optimum?

Nordsachsen (TZ/ej). Groß war die Verwunderung in der Region, als das Bundesverkehrsministerium kürzlich von einer Vorzugsvariante für die B 87n sprach, diese als zu teuer bezeichnete und schließlich die bisherigen Planungen abspecken will. Bis dato war nie offiziell die Rede von einer bevorzugten Trassenführung für das Projekt. Immer wieder wurde in der Vergangenheit  betont, dass ein umfangreicher Korridor mit verschiedenen Trassenmodellen untersucht würde. Doch es gibt sie tatsächlich, die jetzt ins Spiel gebrachte Vorzugsvariante und das bereits seit 2009. Damals untersuchte das Autobahnamt als Planungsbehörde für die neue B 87 im Rahmen des Raumordnungsverfahrens die angesprochenen Korridore für die möglichen Trassen. „Wir haben alle Varianten gegeneinander abgewägt und dem Ministerium schließlich einen Vorschlag für die aus unserer Sicht optimalste Variante unterbreitet“, erklärt Dr.-Ing. Peter Galiläer, Abteilungsleiter Planung im Autobahnamt Sachsen, gegenüber der Torgauer Zeitung. Dieser Vorschlag ist in fünf Abschnitte unterteilt.

Abschnitt I …
… beginnt in Leipzig und führt bis Eilenburg. Hier wurden drei Varianten untersucht. Zum einen ist das die Trasse beginnend an der A 14/Autobahndreieck Parthenaue bis Eilenburg (Süd 2), die jedoch nur auf Rang 3 landete. Auf Platz zwei der Bewertungsliste ebenfalls ausscheiden würde die Variante, die an der A 14/Anschlusstelle Leipzig-Mitte beginnt und bis Eilenburg führt (Nord). Die laut Autobahnamt in diesem ersten Abschnitt zu bevorzugende Variante ist die mit Ursprung Autobahnanschluss Leipzig-Ost, sprich Taucha – Variante Süd 1. Laut Variantenvergleich hat diese die kürzeste Streckenlänge, die günstigste raumstrukturelle, umweltfachliche und verkehrliche Bewertung, die beste Bewertung bezüglich des Straßenentwurfes und der Verkehrssicherheit und die höchste Wirtschaftlichkeit. Hinzu kommt, dass sie mit 105,4 Millionen Euro die billigste der drei Varianten ist.

Abschnitt II …
… führt nun von Eilenburg bis westlich von Torgau. Hier legten sich die Mitarbeiter des Autobahnamtes nicht auf eine Trasse als die vermeintlich beste fest. Die Varianten Nord und Nord 2 werden am Ende beide auf den ersten Platz gesetzt. Die Trasse Nord beginnt in Eilenburg im Bereich von Sprotta-Siedlung und wird stadtnah an Eilenburg vorbeigeführt, bis sie westlich von Torgau auf die bisherige Bestandstrasse der B 87 trifft. Sie hat im Vergleich zu den anderen Varianten die geringste Streckenlänge. Zudem könnte der bisherige B 87-Korridor für den Bau genutzt werden. Die Umweltverträglichkeit wurde als hoch eingestuft und es müssten nur wenige zusätzliche Flächen in Anspruch genommen und neu versiegelt werden. Aus umweltfachlicher Sicht wäre die Variante Nord im Abschnitt II also die bessere Trasse. Anders sehen das diejenigen, die für verkehrliche und straßenbaufachliche Belange Verantwortung tragen. Sie würden sich eher für die Variante Nord 2 entscheiden. Die beginnt ebenfalls bei Eilenburg, allerdings südlich von Sprotta-Siedlung, führt dann aber auch bis zur bestehenden B 87-Trasse westlich von Torgau. Hier wäre nur ein geringer Eingriff in die vorhandene Bebauung notwendig. Zudem könnte diese Variante baulich am optimalsten realisiert werden. Die Umweltverträglichkeit ist bei besonderem Augenmerk auf das „Schutzgut Mensch“ laut Auswertung durch das Autobahnamt noch höher als bei Variante Nord eingestuft. Die dritte Variante – Süd, die, wie es der Name schon vermuten lässt, südlich entlang der bestehenden Trasse und der Bahnstrecke verlaufen würde, wurde in der Untersuchung bereits verworfen.

Abschnitt III …
… der Planungen betrifft die Ortsumgehung für Torgau. Hier gibt es lediglich zwei verschiedene Varianten – Nord 1 und Nord 2. Die eine (1) führt stadtfern, also westlich an Zinna, die andere (2) stadtnah und östlich an Zinna vorbei. Bevorzugt werden sollte laut Autobahnamt die erste Variante, weil sie kürzer ist, raumordnerisch als günstiger bewertet und auch wirtschaftlich als besser eingestuft wurde. Der Kostenpunkt dieser Nord 1-Variante läge bei 73,4 Millionen Euro, während die andere mit knapp zehn Millionen mehr zu Buche schlagen würde.

Abschnitt IV …
… ist die Elbequerung, sprich die neue Elbebrücke, die in Variante Nord 1 nördlich von Repitz und in Variante Nord 2 südlich von Repitz liegen würde. Auch hier legten sich die Planer nicht auf eine Vorzugstrasse fest. Während die erste Variante eine günstigere umweltfachliche Bewertung erhielt, wird bei der zweiten von einer deutlich höheren Wirtschaftlichkeit ausgegangen. Zudem würde die Trinkwasserfassung zwischen Mockritz und Elsnig beim Bau einer Elbebrücke südlich von Repitz weniger beeinträchtigt. Darüber hinaus ist diese Variante rund sieben Millionen Euro günstiger als die andere.

Abschnitt V …
…umfasst die Vollendung des Projektes auf ostelbischer Seite bis zur Landesgrenze nach Brandenburg. In diese eingeschlossen sind die Ortsumgehungen für Döbrichau und Löhsten. Hier mussten sich die Planer nicht zwischen mehreren Vorschlägen entscheiden, da es nur einen gibt. Die Baukosten dieses letzten Abschnittes würden noch einmal rund 21,3 Millionen Euro betragen, von denen der Freistaat Sachsen einen Anteil von 15,6 Millionen Euro übernehmen müsste. Die Finanzierung der restlichen 5,7 Millionen Euro obläge dem Land Brandenburg.