Nordsachsen (TZ). Den Verkauf von Honig mit Spuren gentechnisch veränderter Pflanzen darf es demnächst nicht mehr geben. Das urteilte der Europäische Gerichtshof vorgestern. Anders als noch vor ein paar Jahren ist die Menge der Gen-Spuren zukünftig gar nicht mehr relevant. Aus gegebenem Anlass hat sich die TZ bei einigen Imkern der Region umgehört und sie gefragt: Ist dieses Urteil schädlich für Ihren Honigverkauf?
Ramona Fischer, Dommitzsch: Sicher macht man sich als Imker Gedanken darüber, jedoch wird unser Honig immer kontrolliert und wir hatten bisher noch nie einen Fall von genmanipulierten Pollen. Aber mal ehrlich, wenn man jetzt nicht mal mehr Honig essen darf, dann braucht man irgendwann gar nichts mehr essen.
Gerhard Müller, Wildschütz: Mich selbst betrifft das glücklicherweise nicht. Vor etwa zwei Jahren sollte es jedoch Genmais in Lausig geben. Damals demonstrierten viele Imker dagegen und glücklicherweise wurde der Anbau dann auch verboten. Früher war es ja außerdem so, dass wir für die Spuren von gentechnisch manipulierten Pflanzen in unserem Honig verantwortlich gemacht wurden. Heute müssen die Landwirte, die solche Pflanzen anbauen, den umliegenden Imkern Entschädigungen zahlen. Wenn sie mich fragen, dann wäre ich dafür, dass genmanipulierte Pflanzen komplett verboten werden.
Karl-Heinz Schleinitz, Strelln: Ich muss mich glücklicherweise nicht mit diesem Problem auseinandersetzen. Dafür kenne ich jedoch mehr als genug Imker-Kollegen, die regelmäßig ihren Honig wegschmeißen müssen, weil sich darin Spuren von genmanipulierten Pflanzen befinden. Aus diesem Grund sind wir auch alle sehr froh über das Urteil, dass Landwirte uns Imker jetzt für diese Ausfälle entschädigen müssen. Früher war das ja leider nicht so, da mussten wir selbst sehen wie wir mit dem unbrauchbaren Honig klarkommen.
Fritz Hunger, Audenhain: Meine Bienen fliegen im Wald umher und kommen daher nur selten mit Pflanzen auf Feldern in Kontakt, deswegen brauche ich mir keine Sorgen um solche Pollen zu machen. Trotzdem denke ich, dass der Anbau von Genmais und Co. auf alle Fälle verboten werden sollte. Und sollte es in unserer Region einmal so weit kommen, dann werde ich mit dem Bienenzüchten aufhören. Ich bin alt genug und muss das eigentlich nicht mehr machen.
Iris Grabein, Arzberg: Zu einem aktuellen Problem wird das Thema für mich erst, wenn in meiner Umgebung wirklich genmanipulierte Pflanzen angebaut werden, das ist bisher aber meines Erachtens noch nicht der Fall. Viele schlimmer ist jedoch die Tatsache, dass, sobald diese Pflanzen angebaut werden, diese Stoffe unwiderruflich in der umliegenden Natur sein werden, deswegen bin ich für ein Verbot von Gen-Pflanzen.