Landkreis Leipzig. Die mehrmonatige Denkphase ist abgeschlossen. Nach der Liquidation der Wirtschaftsförderung Landkreis Leipzig (Will) durch den Kreistag stellte Landrat Gerhard Gey (CDU) jetzt ein neues Konzept vor, wie die Wirtschaftsförderung im Landkreis künftig strukturiert werden soll. Alt ist, dass die Aufgabe Chefsache bleibt. Neu: Das Ressort wird ins Amt für Kreisentwicklung integriert und eine Stabsstelle eingerichtet.
Das (von den Fraktionen geforderte) Konzept des Landkreises war Diskussionsgrundlage im Kreisausschuss und soll zur nächsten Kreistagssitzung (5. Oktober) beschlossen werden. Gey kann nicht gänzlich verbergen, dass er die in einzelnen Fraktionen aufgekommenen Zweifel an den neuen Wegen nicht ganz nachvollziehen kann. "Die Auflösung der Will und die Eingliederung der Aufgaben in die Verwaltung war mehrheitlicher Wunsch im Kreistag", sagte er.
Das neue Konzept, das auch auf Wohlwollen bei den Bürgermeistern im Landkreis fiele, umfasst zwei wesentliche Punkte. Da die Wirtschaftsförderung ein Bestandteil des Kreisentwicklungskonzeptes ist, sollen die Aufgaben auch weitgehend im Amt für Kreisentwicklung unter Leitung von Gesine Sommer koordiniert werden. Um die zusätzlichen Aufgaben personell stemmen zu können, schlägt die Behörde die Einrichtung einer Stabsstelle mit drei Mitarbeitern vor. "Die Will hatte bislang fünfeinhalb Stellen zur Verfügung. Da einige Maßnahmen abgewickelt beziehungsweise in andere Gremien verlagert werden sollen, kämen wir mit dieser Größenordnung hin", erklärte Sommer. Das letzte Wort dazu hat der Kreistag.
Die Stabsstelle soll die Kernaufgaben der Wirtschaftsförderung bearbeiten. Da diese wiederum eng mit den Aufgaben der Regionalentwicklung verbunden sind, "ergibt sich die logische Konsequenz, die Stabsstelle an das Kreisentwicklungsamt anzugliedern, da sich Aufgaben tangieren werden. Die Amtsleiterin ist Schnittstelle für beide Ressorts, woraus wir uns eine effiziente Arbeitsfähigkeit erhoffen", erklärte Gey. Quasi Wirtschaftsförderung aus einer Hand. Sommer ergänzte: "Unter den Gesichtspunkten der Kreisentwicklung schaffen wir uns mit der Stabsstelle ein Scharnier zwischen den einzelnen Ämtern im Haus und den wirtschaftsfördernden Akteuren im Landkreis."
Zudem sollen verschiedene Einzelprojekte der bisherigen Arbeit bei der Will an Instrumentarien der regionalen Wirtschaftsförderung ausgegliedert werden. Beispielsweise ist angedacht, die Aktivitäten bei Messeauftritten komplett dem Regionalmanagement Leipzig-Westsachsen zuzuordnen. Der Landrat wünscht und verspricht sich von einer engeren Zusammenarbeit mit bestehenden Beziehungen (Kammern, Stadt Leipzig und dem Landkreis Nordsachsen) "eine Entwicklungschance auf Augenhöhe mit der Stadt Leipzig. Die Messestadt hat mittlerweile Potenzial und Ausstrahlungskraft erreicht, von der auch der Südraum profitieren kann. Die Befindlichkeiten der Vergangenheit gehören endlich beseitigt." Gerade im Gewässerverbund oder dem Gebiet der Abfallwirtschaft geschehe das bereits.
Die Neustrukturierung der Wirtschaftsförderung habe keinesfalls zur Folge, dass das Ressort an Bedeutung verliere. "Sie war immer Chefsache und wird es auch bleiben. Durch diese Form sparen wir Kosten und vermeiden Doppelstrukturen", so Gey.