Kreisgebiet/Leipzig. Die Stadt Leipzig, die Kreise Nordsachsen und Leipzig sowie die Industrie- und Handelskammer nehmen einen erneuten Anlauf. Ziel ist die Gründung einer Wirtschaftsförderungsgesellschaft für die Region im ersten Halbjahr 2012. Neu ist diese Idee nicht. Vorstöße gab es immer wieder. Doch in den neun Jahren, in denen darüber diskutiert und nachgedacht wurde, verliefen alle Planungen bisher im Sand. Die Beteiligten konnten sich weder über die Aufgaben noch die Finanzierung oder gar über den Sitz der Firma einigen. Niemand wollte so richtig Kompetenzen abgeben.
Beim vor Kurzem gestarteten Versuch stehen die Vorzeichen offenbar etwas günstiger. Die Landräte Michael Czupalla (CDU, Landkreis Nordsachsen), und Gerhard Gey (CDU, Landkreis Leipzig) könnten, so heißt es, freier agieren, müssen nicht mehr so große Rücksicht auf Befindlichkeiten in den eigenen Kreisen nehmen wie früher. Beide wurden 2008 in den neuen, größeren Kreisen in ihren Ämtern bestätigt. Beobachter rechnen damit, dass die Landräte bei der nächsten Wahl 2015 nicht mehr kandidieren. Czupalla etwa wird dann 65 Jahre alt.
"Es gab bisher gute Gespräche", bestätigt Leipzigs Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht (CDU) der LVZ die leise Zuversicht. Er sei "durchaus optimistisch, es gibt eine gewisse Dynamik des Vorgangs, wir wollen zügig verhandeln". Das sieht Czupalla, seit Jahren ein Befürworter der Überlegungen, ähnlich: "Ausgehend von den Beratungen des Regionalforums und vielversprechenden Gesprächen sind wir nunmehr auf einem guten und richtigen Weg der gemeinsamen Vermarktung der Region als Partner auf Augenhöhe, welchen es zu unterstützen gilt. Den Ältestenrat und den Kreistag werde ich in den nächsten Beratungen über das Vorhaben informieren und meine, dass auch ein Angebot zur Mitarbeit an die Großen Kreisstädte der Region erfolgen müsste. Frühzeitige Abstimmungen sollen zukünftig auch dazu führen, dass Klagen, wie derzeit gegen das FOC in Wiedemar, von vornherein ausgeschlossen werden und zum Beispiel zur Erhaltung der Döllnitzbahn eine einheitliche Vorgehensweise erfolgt."
Sein Kollege Gey formuliert das so: "Der Startschuss ist wichtig, auch wenn die finanziellen und organisatorischen Bedingungen noch zu klären sind." Er freue sich, sagte Leipzig Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), dass es gelungen sei, "einen gemeinsamen großen Auftritt für die Wirtschaft in unserer Region vorzubereiten".
Vor Kurzem trafen sich Albrecht und Czupalla zum Abendessen im Bad Dübener Heide Spa, um die Pläne zu konkretisieren. Danach soll in den nächsten Wochen festgelegt werden, welche Aufgaben die Wirtschaftsförderungsgesellschaft übernehmen soll. Später wird darüber gesprochen, wer sich mit wie viel Geld an der Firma beteiligt, wie viele Mitarbeiter aus den einzelnen Ämtern in die Gesellschaft wechseln. Die Rückendeckung der Industrie- und Handelskammer, die als Partner mit im Boot sein soll, hat Albrecht. "Die gesamte Region braucht eine einheitliche und starke Wirtschaftsförderung, um im nationalen und internationalen Standortwettbewerb bestehen zu können", so Kammerpräsident Wolfgang Topf.