18. Juli 2011 Thomas Steingen (Leipziger Volkszeitung)

Zusatzbehandlung sorgt für Frust

Grebehnaer befürchten Mehrausgaben fürs Abwasser / Zweckverband prüft Alternativen


Grebehna. Im Zwochauer Ortsteil Grebehna müssen spätestens im Jahr 2012 die Abwässer in vollbiologischen Kläranlagen auf den Grundstücken gereinigt werden. So sieht es das Abwasserkonzept des Zweckverbandes für Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung Leipzig-Land (ZV WALL) vor, in dem die Kommune Mitglied ist. Eine zentrale Behandlung des Schmutzwassers aus dem Ort wäre unwirtschaftlich, sagt Stephan Zeidler, Technischer Leiter des Verbandes.
Einige Grundstücke sind laut ZV WALL nicht mit dem Gienickenbach verbunden und können deshalb das behandelte Abwasser dort nicht einleiten. Laut ZV Wall betrifft das zirka 20 Grundstücke. Diesen bleibt, wenn sie das Nass nicht auf dem eigenen Grundstück versickern lassen können, nur die Einleitung in die Dorfteiche. Daraus erwächst jedoch ein Problem, denn die Teiche sind als stehende Gewässer eingestuft. Deshalb fordert die zuständige Behörde, dass das Abwasser zusätzlich von Phosphor (Phosphor-Eliminierung) zu reinigen ist.
Betroffene befürchten nun, dass ihnen bei der Umrüstung ihrer Kleinkläranlagen zusätzliche Kosten entstehen. Laut Stephan Zeidler kostet die Errichtung einer neuen biologischen Anlage rund 4000 bis 5000 Euro. Werde die vorhandene Drei-Kammer-Anlage lediglich umgerüstet, sei mit 2000 bis 2500 Euro zu kalkulieren. Kommt die Phosphor-Eliminierung notwendigerweise hinzu, würden in beiden Fällen noch einmal schätzungsweise 1000 bis 1500 Euro fällig, ebenso höhere Betriebskosten, rechnete der Grebehnaer Willi Müller in der jüngsten Gemeinderatssitzung den Abgeordneten vor und wollte, weil die Zeit langsam dränge, wissen, ob die Kommune in irgendeiner Form etwas für ihre Bürger tun könne.
Konkret bezog er sich auf die regelmäßige Reinigung des Teiches, denn damit bestünde die Möglichkeit, dass auf die Phosphor-Eliminierung gegebenenfalls verzichtet werden könne. Der Zwochauer Bürgermeister Rudolf Ryll (SPD) konnte in der Ratssitzung auf Müllers Frage keine konkrete Antwort geben. Dazu müsse er sich erst beim Zweckverband näher mit der Materie befassen, sagte das Gemeindeoberhaupt.
Stephan Zeidler schränkte gegenüber der Kreiszeitung ein, dass die Sache mit der Teichreinigung nur eine von mehreren Varianten sei, die gegenwärtig geprüft würden. "Im Landkreis Leipzig hat sich die Stadt Markranstädt in einem ähnlichen Fall verpflichtet, regelmäßig einen solchen Teich zu reinigen. Für die Gemeinde Zwochau, die finanziell kaum Spielraum hat, habe ich da Bedenken", so der ZV-WALL-Verantwortliche. Zudem ist für Markranstädt eine andere Wasserbehörde zuständig. "Die nordsächsische ist von dieser Variante wenig begeistert", ergänzte Zeidler.
Derzeit wird deshalb auch untersucht, ob eine Ausbindung aus dem Teich möglich ist. In diesem Fall müssten neue Leitungen verlegt werden, so dass das behandelte Schmutzwasser von den Grundstücken direkt in den Gienickenbach fließen könnte. Diese Variante sei für die Untere Wasserbehörde, die beim Landratsamt Nordsachsen angesiedelt ist, die Vorzugsvariante. "Im dritten Quartal können wir in dieser Angelegenheit konkretere Aussagen treffen", kündigte Zeidler an.
Willi Müller hatte in dieser Ratssitzung übrigens noch ein anderes Anliegen. Er fragte, ob die hinter verschlossenen Türen angekündigte folgende Beratung nicht für die anwesenden Bürger der Gemeinde geöffnet werden könne. Wenn es um die Zukunft ihrer Gemeinde gehe, hätten die Bürger ein Recht darauf zu hören, was die Abgeordneten vorhaben. Diesem Wunsch entsprach der Rat jedoch nicht. "In diesem nicht öffentlichen Teil der Ratssitzung geht es noch nicht darum, was aus Zwochau wird, sondern lediglich um die Vorbereitung einer Besprechung im Landratsamt", erwiderte Ryll.