26. Januar 2011 Sebastian Stöber (Torgauer Zeitung)

Zwei ungleiche Schwestern

Nordsachsen (TZ/seb). Die Abfallentsorgung ist nach wie vor in beiden Altkreisen separat organisiert. Während zwischen Ablass und Mockrehna die Abfallwirtschaft Torgau-Oschatz (A.TO) verantwortlich ist, kümmern sich die Kreiswerke Delitzsch (KWD) um den Rest. Beide Unternehmen gehören mehrheitlich dem Landkreis und sind demnach auch im Beteiligungsbericht 2009 aufgeführt. Während die A.TO „alleine“ dasteht, sind die KWD Bestandteil einer verzweigten Unternehmensgruppe.

Die A.TO hat den Torgau-Oschatzer Markt – zumindest was die Haushaltsabfälle angeht – fest im Griff. Ein noch mit dem Altkreis abgeschlossener Vertrag sichert dem Unternehmen vorerst bis Ende 2024 die Entsorgung von Abfällen aus Haushalten in der Region. Nach Vertragsablauf kann die Option auf weitere fünf Jahre gezogen werden. Über die an den Vertrag gebundenen Leistungen erzielte das von Martin Klemm und Klaus Steinacker geführte Unternehmen das Gros seiner Umsätze: 4,55 von 5,42 Millionen Euro. Die dahinterstehenden Leistungen sind umfangreich. Sie reichen von der Betreibung der Deponien, Wertstoffhöfe, Abfallumladestationen und Sammelstellen für Elektro- und Elektronikgeräten über das Einsammeln von Hausmüll, Papier und Sperrmüll bis hin zur Abfallberatung und Umweltwacht.

Das Unternehmen mit 65 Mitarbeitern war 2009 frei von Bankverbindlichkeiten, leistete sich im Berichtsjahr zwei neue Sammelfahrzeuge für 343 000 Euro und zahlte eins an (126 000 Euro). Für den Landkreis, dem 51 Prozent der A.TO gehören, sprang für 2009 eine Gewinnabführung über rund 466 000 Euro heraus.
Etwas komplexer fällt die Betrachtung der Kreiswerke Delitzsch aus. Die sind Teil einer Holding namens Entsorgungs-, Entwicklungs- und Baugesellschaft Delitzsch (ENEBA).

Die Kreiswerke Delitzsch sind zwar in der Abfallentsorgung des Altkreises aktiv, ansonsten aber kaum mit der A.TO vergleichbar. Das Unternehmen ist breiter aufgestellt. Herstellung und der Vertrieb von Ersatzbrennstoffen gehören neben dem Einsammeln und Transportieren von Hausmüll ebenfalls zu den Aufgaben wie Straßen- und Tiefbau- sowie Winterdienstleistungen. 2009 zählte das Unternehmen unter Geschäftsführung von Heinz Böhmer 159 Mitarbeiter. Es erwirtschaftete einen Überschuss von rund 64 000 Euro, der an die ENEBA abgeführt wurde. Wie die Geschäftsleitung im Lagebericht festhält, belaufen sich die Bankverbindlichkeiten des Unternehmens auf 9,68 Millionen Euro. Unsicherheiten für die Geschäftsentwicklung tun sich laut Bericht im Bereich der Ersatzbrennstoffproduktion auf. Vor allem der Wettbewerb um die zur Herstellung notwendigen heizwertreichen Fraktionen hat sich demnach verschärft.

Unter dem Dach der ENEBA steckt auch die Gesellschaft für Kreisentwicklung und Wohnungsbau im Landkreis Delitzsch. Sie plant, erschließt und vermarktet Wohn- und Gewerbeobjekte. Den 2009er-Verlust von 186 500 Euro erklärt die Geschäftsleitung im Lagebericht mit fehlenden Erlösen aus Grundstücksverkäufen und außerplanmäßigen Wertberichtigungen von Grundstücken.
55 Mitarbeiter beschäftigt die 100-prozentige ENABA-Tochter Anlagenbau Umweltprojekt GmbH (ABU) – eine Art eierlegende Wollmilchsau. So kümmert sich das Unternehmen unter Leitung von Heinz Böhmer und Anke Dusi zum einen um Planung, Herstellung und Vertrieb von Anlagen des technischen Umweltschutzes. Geschäftsgegenstände sind aber auch Energie- und Gebäudemanagement, „Containerdienste und Transporte für alle Zwecke“ sowie die „Durchführung von Leasing- und Vermietungsgeschäften aller Art, die Verwaltung von eigenen fremden Vermögen“. 

Möglich wurde das auch durch eine im Berichtsjahr umgesetzt noch engere Verzahnung mit den Kreiswerken Delitzsch. Die ABU setzte 2009 rund 5,08 Millionen Euro um und machte einen Gewinn von 14 100 Euro. Eine Tochter der ABU ist die CARBO-Light GmbH, die laut Beteiligungsbericht im Jahr 2009 keine aktive Geschäftstätigkeit ausübte.
Noch einmal der Blick zurück auf die ENEBA. Über ihre Beteiligungen erwirtschaftet die von Heinz Böhmer geführte Holding einen Verlust von 110 000 Euro. Im Lagebericht werden die Risiken der Kreiswerke als relevant auch für die ENEBA bezeichnet. Bei einer Bestandsgefährdung der KWD sei auch die Zukunft der Holding in Gefahr.