Kreisgebiet. Der Klimawandel ist längst allgegenwärtig. Auch wenn es zeitweise nicht so scheint. Martin Schmidt von der Leipziger Außenstelle des Deutschen Wetterdienstes (DWD) korrigierte diesbezüglich die Sachbearbeiterin des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), Karin Ruscher, die dieser Tage die Teilnehmer einer Infoveranstaltung in Mockrehna mit der Bemerkung begrüßte, der Klimawandel stehe bevor.
Welche Anpassungsmöglichkeiten es für Landwirte gibt, sich dieser Problematik zu stellen, dazu gab es im Rahmen eines Schulungsprogramms von Experten wertvolle Informationen für ein gemischtes Publikum, jüngere und ältere Zuhörer aus dem Landkreis Nordsachsen. Denn auch um dieses Stück Erde machen alarmierende Trends, die seit 1910 erfasst werden, vor allem in den 1990er Jahren Spitzenwerte erreichten und teils bekannt sind, keinen Bogen. Schmidt untersetzte das mit einer Fülle an Messwerten und Grafiken für diese Region, mit denen er nachwies: Außer im Herbst sind zu allen Jahreszeiten die Temperaturen im Jahresmittel angestiegen, Extreme bei Niederschlägen und Trockenperioden nahmen zu. So gab es im Jahresmittel im Raum Leipzig 2006 ein Niederschlags-Minus von 92 mm, während 2008 mit einem Plus von 85 mm das Jahressoll im Oktober erreicht wurde, im vergangenen Jahr mit einem Plus von 338 mm schon im August. Für dieses Jahr weisen aktuelle Werte ein Plus von 84 mm aus. Dennoch zeige der Trend: je weiter östlich, je trockener, was für Nordsachsen bedeutet: Während im Westen die Situation noch relativ entspannt ist, bekommen die sandigen Böden, die ohnehin die Feuchtigkeit schlecht halten, weiter östlich deutlich weniger Wasser ab. Deshalb gab es an diesem Vormittag von Kerstin Jäkel, beim LfULG Expertin für Bewässerungsanlagen, eine Fülle von Anregungen.
Schmidt zeigte weitere Konsequenzen für die wetterabhängige Branche auf: "Die Pflanzenentwicklung und die Vegetationsperiode starten drei bis vier Wochen früher, vollzieht sich aber auch schneller. Die Zeit der Brache im Herbst verlängert sich." Mit Zwischenfrüchten - etwa 30 ausgewählte Sorten, die der Gründüngung oder als Tierfutter dienen - ließen sich Brücken bauen und zudem die Feuchtigkeit besser im Boden halten. Landwirten, die bewässern, bietet der DWD für 67 Euro jährliche Kosten über seine Web-Dienste Beregnungsempfehlungen mit örtlichen Niederschlagsprognosen von seinen 500 Wetterstationen an.