3. Februar 2012 Nico Wendt (Torgauer Zeitung)

"Alles auf einmal geht nicht"

Mockrehna (TZ). Der Schulbau war die größte Investition der Gemeinde Mockrehna in den letzten Jahren und beanspruchte die Kräfte gewaltig. Dazu – aber auch zu Neuverschuldung, Baumaßnahmen in den Ortsteilen, Gewerbeansiedlungen und Gemeindefusion – befragte unsere Zeitung Bürgermeister Peter Klepel:

TZ: Manch einer unkte im Vorfeld, der Schulbau könnte der Gemeinde Mockrehna finanziell das Genick brechen. Wie sieht es im Jahr 2012 aus?
P. Klepel:
Nun, wir haben den aktuellen Haushaltsplan schon im Dezember beschlossen. Er wurde vom Landratsamt am 4. Januar genehmigt. Nie hätte ich gedacht, dass wir das alles ohne den Immobilienverkauf finanziell so hinbekommen. Die Eigenmittel für den Schulhausbau sind komplett gesichert, worüber ich sehr glücklich bin.

Wie konnten Sie das schaffen?
Wir hatten natürlich 2010/11 extreme Sparmaßnahmen beschlossen und alle Einnahmemöglichkeiten auf den Prüfstand gestellt. So wurden die Steuerhebesätze sowie andere Einnahmequellen an den Landesdurchschnitt angeglichen. Dies ging bis an die Schmerzgrenze. Für diese Haushaltskonsolidierung  möchte mich auch bei allen Räten und Mitarbeitern im Hause bedanken. 

Was in einigen Ortsteilen Kritik erzeugte, weil der Schulbau zu sehr im Mittelpunkt stand!
Moment. Wir haben trotzdem noch den ersten Bauabschnitt der S 16 in Mockrehna (Ausbau der Nebenanlagen, d. Red.) auf den Weg gebracht. In den letzten Jahren wurden in Schöna der Kindergarten und Hort, in Strelln der erste Bauabschnitt der Mölbitzer Straße gebaut, in Audenhain eine schöne Kita errichtet, das Feuerwehrgerätehaus in Audenhain erweitert, Klitzschen erhielt ein neues Gerätehaus und die Kindereinrichtung sowie der Spielplatz in diesem Ortsteil wurden auf Vordermann gebracht. Für unsere Feuerwehren haben wir  fünf neue Einsatzfahrzeuge angeschafft, die Kita Langenreichenbach wurde erweitert und saniert, die gesamte Ortslage Strelln erhielt eine neue Straßenbeleuchtung. Im ehemalige Kindergarten Strelln ist der Jugendklub sowie der Motorradklub Strelln eingezogen.

Klingt viel ...
...  ist aber noch nicht alles: Auch Wildschütz haben wir nicht vergessen. Dort  wurde die Steinbruchstraße mit Nebenanlagen grundhaft ausgebaut und der Festplatz „Unter den Linden“ neu gestaltet und auch bei der Verschönerung des Jugendklubs haben wir mitgeholfen. Obwohl wir am Kindergarten in Wildenhain viel investiert und umgebaut haben, mussten wir ihn leider letztes Jahr aufgrund der niedrigen Kinderzahlen schließen. Das Feuerwehrgerätehaus Wildenhain erhielt ein neues Dach und die Straßen sind zwischenzeitlich alle in Ordnung gebracht worden.  Auch erwähnen möchte ich die zahlreichen Aktivitäten und Straßenbaumaßnahmen, welche durch die sechs Teilnehmergemeinschaften im Rahmen der Flurneuordnung in den letzten Jahren verwirklicht wurden. Für den Hochwasserschutz in unserer Gemeinde hatten wir nach dem Starkregen ebenfalls viel zu tun. So wurde zum Beispiel in Mockrehna der Feldgraben mit einem sehr hohen Aufwand den Erfordernissen entsprechend saniert. Keiner kann sagen, dass in den Orten nichts passiert wäre.

Aber dann muss Mockrehna doch jetzt völlig verschuldet sein bei dieser Anzahl von Investitionen?
Nein. Im Gegenteil, wir konnten die Schulden über die Jahre hinweg leicht abbauen und das wird fortgesetzt. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt aktuell bei 465 Euro. Lediglich eine kleine Kreditaufnahme musste letztes Jahr vorgenommen werden. Das war aber auch Bedingung, um das zinsgünstige Darlehen und damit verbundene Fördermittel für Energieeffizienz für den Schulhausbau in Anspruch nehmen zu können. Wenn ich zurückdenke: Als ich hier anfing, galt noch wegen der prekären Lage ein Haushaltssicherungskonzept. Mockrehna profitiert natürlich von der guten Wirtschaftslage und den hier ansässigen soliden Firmen, die das Geld erwirtschaften. Unsere Steuereinnahmen sind konstant. Außerdem haben wir das Konjunkturpaket gut genutzt und überall Fördermittel angezapft, wo es ging.

Damit wäre die Kritik aus einigen Ortsteilen widerlegt?
Schauen Sie doch zu anderen Gemeinden. Dort hat sich mit der Schließung von Schulen viel verändert. Unsere Mittelschule besitzt eine große Tradition und wir haben es geschafft, dass sie weiterhin Bestand hat. Die Schülerzahlen geben uns recht, dass die Entscheidung richtig war. Bei einer Zwölf-Millionen-Euro-Investition sollte auch in den Orten das Verständnis da sein, dass man nicht überall große Dinge gleichzeitig realisieren kann. Wir haben gesagt: Wir nehmen Geld in die Hand, bauen etwas Vernünftiges – auch um für Schüler bzw. Eltern aus umliegenden Gemeinden attraktiv zu sein. Die Eigenmittel belaufen sich auf 4,5 Millionen Euro. Mir ist wohl bekannt, dass in allen Ortsteilen noch viel zu bewältigen ist. Aber alles gleichzeitig kann man halt nicht schaffen.

Wie stehen Sie zu den Vorwürfen der zum Teil schlechten Straßenverhältnisse in Schöna und Strelln?
Wir reden von der S 20 Audenhain in Richtung Schöna, der Kreisstraße in Strelln und der Kreisstraße in Schöna. Für alle drei Straßenabschnitte sind wir nicht zuständig. Wir bemühen uns um den Ausbau und werden die erforderlichen Eigenmittel für die Nebenanlagen bereithalten.  Für die „Alte Kobershainer“ Straße  haben wir die kommunalen Mittel von 485 000 Euro im Haushalt eingestellt. Gleiches gilt für den nächsten Abschnitt der S 16 in Mockrehna. Wir drängen darauf, dass es doch noch dieses Jahr weitergeht. Einzutakten sind ebenfalls die Anteile beim Ausbau der drei Bahnübergänge, je 55 000 Euro, Planungskosten in Höhe von 18 000 Euro für den Brückenbau in Audenhain und für die Umstellung auf Doppik mussten auch 100 000 Euro im Haushalt eingestellt werden.

Welches große Ziel folgt eigentlich nach Abschluss des Schulbaus?
Dann müssen wir uns mit der Sanierung der Kita in Mockrehna beschäftigen. Ein Vorhaben, das wohl rund 150 000 Euro verschlingen dürfte. Auch bei den Straßen müssen wir dranbleiben. Hier liegt mir das Problem der Schmiedegasse in Mockrehna sehr am Herzen.

Themawechsel: Über Gemeinde-Zusammenschlüsse wird nach wie vor vielerorts geredet. In Mockrehna auch?
Wir haben einen gültigen Vertrag mit Dreiheide. Dazu stehen wir. Mehr gibt es dazu aktuell nicht zu sagen.

Welche Dringlichkeit hat eine B 87n für die Gemeinde?
Das berührt uns sehr und wir können die Initiativen für den Bau der vierspurigen Straße nur voll unterstützen. Der schnelle Weg nach Leipzig hat große Bedeutung. Und wichtig wäre auch eine Ortsumgehung für Mockrehna. Der Lkw-Verkehr hat extrem zugenommen. Manchmal ist es schwierig, als Fußgänger über die Straße zu gelangen oder mit dem Pkw auf die B 87 aufzufahren. Wie wichtig eine gute Straßenanbindung für die Wirtschaft ist, kann man übrigens in der Region sehr gut sehen.

Hierbei besitzt Mockrehna doch entscheidende Vorteile beispielsweise gegenüber Schildau oder Dommitzsch?
Ja, zurzeit verhandeln wir wieder mit einem Unternehmen bezüglich einer Neuansiedlung beziehungsweise Erweiterung. Mehr möchte ich noch nicht preisgeben. Nur so viel als Information an andere Firmen: Auf unserem Gewerbegebiet ist noch Platz frei.