16. Dezember 2011 Lisa Garn (Oschatzer Allgemeine Zeitung)

Anwohner befürchten mehr Lärm und Geruch

Ortschaftsrat tagt zu Erweiterung Milchhof Kötitz


Calbitz. Sie war nötig, die Diskussion um die Erweiterung des Kuhstalls in Kötitz. Dort will Roel van den Hengel seinen Milchhof modernisieren und vergrößern. Die Zahl der Tiere erhöht sich von jetzt etwa 1000 auf rund 3000, außerdem sind neue Futtersilos sowie ein Güllebehälter vorgesehen. Anwohner befürchten, dass damit Lärm und Geruch zunehmen. Um die Bedenken mit den Beteiligten zu diskutieren, lud der Ortschaftsrat Luppa, Calbitz, Malkwitz zur Sitzung am Mittwochabend ins Feuerwehrgerätehaus.
Das musste Cornelia Schnedelbach vom Planungsbüro gleich zu Beginn loswerden: "Als wir vor zwei Jahren erste Planungen vorlegten, gab es keinen Diskussionsbedarf." Doch der ergab sich nun, weil der Plan ganz anders aussieht als damals: Die Anlage rückt näher an die Wohnbebauung in der Böhlaer Straße als in ersten Überlegungen. "Die ältere Variante ist mein Favorit, aber dafür müsste ich auf Flächen bauen, die mir nicht gehören. Bisher konnte ich keinen Eigentümer finden", so van den Hengel.
Bauen muss er, denn die Fläche für die Kühe ist zu klein, zudem entspricht die Betriebsanlage nicht mehr dem neuesten Stand der Technik, erklärt er. "Der Umbau zu einer modernen und größeren Anlage dient auch der Tiergesundheit", so Schnedelbach. Vorgesehen ist, die Fläche des Betriebes zu verdoppeln. Die Zahl von etwa 1000 Tieren soll auf 3000 erhöht werden. Van den Hengel will dabei den Bereich der Reproduktion ausbauen, also die Nachzucht. Zusätzlich zu den bereits vorhandenen kommen ein Güllebehälter und drei so genannte Fahrsilos hinzu. Unter anderem entsteht auch ein neuer Sozialbereich für die Mitarbeiter und die Verkehrswege sollen ausgebaut werden. Ebenso sind landschaftspflegerische Maßnahmen, beispielsweise Pflanzungen zwischen Anlage und Bebauung, geplant.
Anwohner Daniel Böttcher hat seine Bedenken: "Sicherlich ist ein Ausbau optimaler für die Kühe. Aber wir sind mit den Randbedingungen nicht zufrieden, weil die Anlage viel näher zum Ort hin liegen soll. Der Futterverkehr läuft durch den Ort, es wird Belästigung durch Lärm geben, unter Umständen auch durch Geruch." Und Wolfgang Böttcher betonte: "Es sollen alle Parameter beachtet werden. Das heißt: alle technischen Möglichkeiten, um Belastungen so gering wie möglich zu halten." Doch Gutachten zu Emissionen hätten die Anwohner bis Mittwoch nicht einsehen können. Die fehlenden Unterlagen gingen gestern bei der Gemeinde ein und werden auf Anfrage zugänglich gemacht. Schnedelbach betonte während der Sitzung: "Es ist alles untersucht worden, was zum Beispiel Fahrverkehr und Silo-Befüllung angeht. Überall werden die Lärm-Grenzen unterschritten. Es wird keine relevante Erhöhung der Werte geben." Daniel Böttcher warf ein, dass besonders zu Erntezeiten von erhöhten Belastungen auszugehen sei. "Vom Gesetz her sind alle Vorschriften eingehalten", so Schnedelbach. "Beobachtungen sollten an den Betreiber herangetragen werden und sicherlich ist auch ein Arrangement möglich."
Van den Hengel zeigte sich gesprächsbereit, auch bei Anliegen, die nicht unmittelbar mit seinen aktuellen Planungen zu tun haben. Der Ortschaftsratsvorsitzende Günter Grosch bündelte die Diskussion in der Frage: "Kann die Silo-Anlage nicht doch versetzt werden, das beschäftigt hier die meisten?" Van den Hengel versprach: "Ich versuche, herauszufinden, wer der Eigentümer ist. Auch, um den Leuten entgegenzukommen." Eine nachträgliche Änderung des Antrags sei kein Problem, so Schnedelbach.
Im Januar soll die Stellungnahme der Gemeinde Wermsdorf im Rat beschlossen werden. Im Februar geht sie an die Genehmigungsbehörde, das Landratsamt Nordsachsen. "Wir wollten in dieser Sache nicht ohne den Ortschaftsrat entscheiden, deshalb war die Sitzung wichtig. Einwendungen werden in die Stellungnahme einfließen", sagte Bürgermeister Matthias Müller (CDU).