Kreisgebiet. Sachsen speckt bei seinen Straßenbauvorhaben gewaltig ab. Das verrät der Entwurf des Landesentwicklungsplans, den Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) vorgelegt hat. Der für Nordsachsen wichtige Neu- und Ausbau der B 87 n fehlt darin. Die Reaktionen im Landkreis sind dementsprechend kritisch.
Der nordsächsische Kreistag und vor allem der Stadtrat Torgau stehen hinter dem Projekt, fordern eher vier als drei Spuren und auch Handwerk, Industrie- und Handelskammer, Wirtschaftsverbände und der Mittelstand unterstützen die Bemühungen um die überlebenswichtige Verkehrsader.
Linke-Fraktionschef Michael Friedrich spricht von einem "Schlag in die Magengrube, mieser Hinhalte- und Verzögerungstaktik von Verkehrsminister Morlock". Lediglich ein Verweis auf den untergeordneten Regionalplan Westsachsen erwähne die B 87 n. Statt dieses Vorhaben direkt in die entsprechenden Projekt-Übersichten des Landesentwicklungsplanes aufzunehmen, soll der geplante Korridor der B 87 n nur noch nachrichtlich dargestellt werden, verweist Friedrich auf Seite 80 des Entwurfes. Das sei die unterste Schublade mit einer klaren Abstufung des Projekts als minderwichtig. "Dabei hätte die Botschaft der Staatsregierung doch eindeutig heißen müssen: Die B 87 n ist für uns prioritär im Sinne des vordringlichen Bedarfs", so der Sausedlitzer. Er regt einen Kreistagsbeschluss an, um dem Projekt das notwendige politische Gewicht zu verleihen. Damit dürfte er bei Landrat Michael Czupalla (CDU) auf Zustimmung stoßen, denn auch Czupalla spricht von einem völlig unbefriedigenden Zustand. "Wir diskutieren ergebnislos über drei oder vier Spuren. Und von Leipzig bis Torgau braucht man für 55 Kilometer anderthalb Stunden. Das hemmt die Wirtschaft. Was da aus dem sächsischen Wirtschaftsministerium kommt, nämlich gar nichts, ist nicht befriedigend. Es stört mich sehr, wie mit dem Thema in Dresden umgegangen wird. Wir brauchen gar nicht zu Bundesverkehrsminister Ramsauer fahren ohne klare Ansage aus Dresden", sagte Czupalla jüngst in einem Interview mit dieser Zeitung.
Der CDU-Landtagsabgeordnete Volker Tiefensee, Bürgermeister von Schönwölkau, relativierte, dass es sich um einen Entwurf handelt. "Es ist noch nichts beschlossen oder entschieden. Wir werden natürlich unsere Stellungnahmen abgeben. Das zieht sich bis weit ins Jahr 2013 hinein. Die B 87 n muss kommen! Daran hat sich nichts geändert." Das Landratsamt bereite sich auf eine Stellungnahme vor, sagte gestern Kreis-Bau-Dezernent Hartmut Grabmann. Der Entwurf soll ab Freitag in Torgau ausgelegt und auch im Internet veröffentlicht werden. "Wir müssen prüfen, was wirklich drin steht und danach weitere Schritte abstimmen. Der Kampf um die B 87 n geht weiter", so Grabmann.
SPD-Kreisvorstandsmitglied Heiko Wittig sieht vor allem die Landesregierung in der Pflicht: "Wir unterstützen alle Aktivitäten für eine B 87 n, die wird zwingend benötigt. Die Landesregierung hat Torgau zum Zentrum von Nordsachsen gemacht. Nun muss Torgau auch angebunden werden."