Spröda. Der Heim-Tüv für sächsische Flüchtlingsunterkünfte schlägt weiter Wellen. Wie berichtet, hatte Sachsens Ausländerbeauftragter Martin Gillo (CDU) am Freitag den nach eigenen Angaben bundesweiten ersten Test dieser Art vorgelegt. Danach wurden von den 30 Heimen in Sachsen sechs mit rot und damit als unangemessen bewertet. 19 liegen im Mittelfeld und stehen unter Beobachtung (gelb). Lediglich für fünf Heime steht die Ampel auf Grün.
Lob zu dem Heim-Tüv gab es jetzt in Nordsachsen von einer Seite, von der die CDU dies eher weniger erwarten dürfte. Michael Friedrich, der seine Partei Die Linke jahrelang im Landtag vertrat und heute noch im Kreistag und im Löbnitzer Gemeinderat aktiv ist, lobte den Test als "couragierte Initiative". Das Ergebnis, so der Löbnitzer, falle aber gerade für die beiden Heime im Landkreis Nordsachsen blamabel aus. So habe die Unterkunft in Torgau, die in Kürze geschlossen werde, eine Bewertung von -0,60 erhalten und sei damit auf dem letzten Platz gelandet. "Doch auch Spröda, das zweite Heim des Landkreises, landet mit einer nur geringfügig besseren Bewertung von -0,47 auf dem 23. Platz und damit gerade noch im gelben Bereich." Er selbst, so führte Friedrich in seiner Pressemitteilung weiter aus, habe das Heim mehrfach aufgesucht und könne den desolaten Eindruck trotz erfolgter Renovierungen nur bestätigen. "Es sind kasernenartige Barackenunterkünfte mit langen dunklen Gängen." Hinzu käme eine problematische Verkehrsanbindung. Friedrich stellt fest: "Das ist Abschottung pur statt Offenheit für Menschen in Not."
Er sieht den Heim-Tüv aber auch als Chance zur Veränderung. Konkret schwebt Friedrich eine dezentrale Unterbringung vor, denn "nur in den eigenen vier Wänden könne ein Mensch privat und selbstbestimmt leben". Rechtlich wäre dies möglich. Auch die Kosten würden nicht dagegen sprechen. Andere Kommunen, so der promovierte Mathematiker weiter, würden schließlich bereits den Nachweis erbringen, dass sich Unterbringung und Verpflegung auch aus dem seit Jahren unveränderten Budget von 1125 Euro pro Person und Quartal in Wohnungen bestreiten lassen. Die Linke im Kreistag Nordsachsen, so schlussfolgert deren Fraktionsvorsitzender Friedrich, werde sich deshalb für die dezentrale Unterbringung und die schrittweise Auflösung des aus seiner Sicht gelb-roten Heimes in Spröda einsetzen.
Das Asylbewerberheim in Spröda hat beim Heim-Tüv schlechte Noten bekommen und soll nach dem Willen der Linkspartei aufgelöst werden. Foto: Manfred Lüttich
