Torgau/Nordsachsen (TZ). Das Torgauer Asylbewerberheim ist das schlechteste ganz Sachsens. Diese Meldung machte am Wochenende die Runde, nachdem der sächsische Ausländerbeauftragte Martin Gillo (CDU) den sogenannten Heim-TÜV vorgestellt hatte. Dass die Einrichtung in der Großen Kreisstadt Ende des Monats ohnehin ihre Pforten dauerhaft schließt, ging dabei fast schon unter.
Bereits im Juli waren entsprechende Informationen durchgesickert. Dazumal im Zusammenhang mit der zweiten Tour Gillos, durch alle 30 sächsischen Asylbewerberheime, auf der wesentliche Informationen für den jetzt veröffentlichten Bericht erfasst wurden. Wie es um die Situation im Torgauer Heim damals bestellt war, musste der Landkreisverwaltung jedoch bereits klar gewesen sein. Denn Pressesprecher Rayk Bergner sagte der Torgauer Zeitung im Juli, dass der Landkreis bereits entschieden habe, die Unterkunft zu schließen. Sie entspreche nicht mehr den Anforderungen. „Wir haben zunächst über eine Modernisierung nachgedacht, dann aber einvernehmlich mit dem Betreiber entschieden: Das Heim wird zum 31. Dezember 2011 geschlossen. Der Nutzungsvertrag wurde fristgemäß gekündigt“, so Bergner in der TZ vom 12. Juli. Gespräche mit der Stadtverwaltung Torgaus und den betroffenen Bewohnern waren zu diesem Zeitpunkt bereits über die Bühne. Was Mitte Juli noch nicht offiziell klar war, war die Frage, wo im Landkreis die Torgauer Asylbewerber künftig untergebracht werden würden. Es lief bereits eine europaweite Ausschreibung für den Betrieb eines Heimes im Landkreis Nordsachsen. 120 Menschen sollten darin Unterschlupf finden können. Bei Ausschreibungsschluss lag der Kreisverwaltung dann lediglich ein Angebot vor. Und es war nicht das der Bühne & Pöller GmbH, die das Torgauer Asylbewerberheim bis dahin betrieben hatte.
Im Boot war stattdessen die Immobilienbetreuungs- Tourismus und Beherbergungsgesellschaft Dresden – kurz ITB. Die hat einige Heime in Thüringen und Sachsen im Portfolio. Darunter den Beherbergungsbetrieb im Delitzscher Ortsteil Spröda. Dort lebten bis dahin 140 Asylbewerber. Nachdem sie den Zuschlag des Landkreises erhalten hatte, begann die ITB das Heim um die geforderten 120 Plätze zu erweitern. Zunächst sollten der Umzug der zuletzt 45 Torgauer Bewohner nach Spröda Ende November beginnen, nach Auskunft des Landkreises steht er aber immer noch bevor. Ihre Koffer nicht packen müssen 35 Aslybewerber, die dezentral in der Großen Kreisstadt untergebracht sind – überwiegend sind das Familien, die in Wohnungen im Stadtgebiet leben.
Derweil hält sich hartnäckige Kritik an den Bedingungen der Einrichtung in Spröda. Dr. Michael Friedrich, Fraktionschef der LINKEN im Kreistag, kündigte an, dass sich seine Fraktion für eine schrittweise Auflösung des Heimes einsetzen werde. Die Gründe legte er in einer Pressemitteilung dar. „Kasernenartige Barackenunterkünfte mit langen dunklen Gängen, die der längst verblichenen GST oder der Kampfgruppe alle Ehre gemacht hätten. Problematische Verkehrsanbindung gerade an Wochenenden, ansonsten kilometerweiter Fußweg auf der Bundesstraße nach Delitzsch. Das ist Abschottung pur statt Offenheit für Menschen in Not, ganz zu schweigen von auch nur der geringsten Willkommenskultur.“ Diese Kritik sei bislang nicht an ihr Amt herangetragen worden, so Ordnungsamtsleiterin Antje Vogel. Zur Anbindung sagt sie: „Die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft in Spröda haben die Möglichkeit an den Wochenenden die gleichen ÖPNV-Leistungen abzurufen, wie die im gleichen Ortsbereich wohnenden Bürger der Großen Kreisstadt Delitzsch bzw. des Ortsteiles Spröda".