Nordsachsen (TZ). Ein einziger Kreisrat stimmte mit Nein, als Landrat Czupalla unlängst um Zustimmung für Verhandlungen über eine gemeinsame Wirtschaftsförderung mit Leipzig warb: Lutz Biedermann. Die TZ sprach mit dem streitbaren FDP-Politiker über die Gründe für seine Ablehnung.
TZ: Mussten Sie Ihrer Fraktion nach der Abstimmung Rede und Antwort stehen – schließlich haben alle für die Verhandlungen gestimmt?
Lutz Biedermann: Warum? Bei uns gibt es keinen Zwang, in irgendeine Richtung abzustimmen.
Warum ist Ihre Entscheidung so ausgefallen?
In den letzten Jahren ist unheimlich viel Geld für alle möglichen Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung ausgegeben worden. Vieles davon hätten wir uns sparen können. Ich befürchte, da wird wieder eine Art Beschäftigungsgesellschaft gegründet, um Personal aus der Kernverwaltung umzulenken, anstatt ein Instrument zu schaffen, das erfolgsorientiert arbeitet und bezahlt wird.
Der gesamte übrige Kreistag sieht das wohl anders.
Ich akzeptiere die Meinung der anderen, sehe aber wenig Chancen auf Erfolg. Klar gehen Leipzig die Flächen aus, aber die Firmen gehen doch dorthin, wo die Menschen sind, in den Speckgürtel der Stadt.
Es wird argumentiert, gemeinsam mit Leipzig sei die Außenwirkung und damit die Chancen für den Kreis größer.
Ich habe kein Vertrauen darin, dass sich die Stadt Leipzig tatsächlich auch für die Interessen der anderen Partner einsetzt. Mit der Blockade des Outletcenters FOC in Wiedemar in unserem Kreis zeigt Leipzig doch sein wahres Gesicht. Ich bin deshalb gespannt, welches Entgegenkommen die Stadt in den Verhandlungen mit unserem Landrat zeigt. Da lasse ich mich gern eines Besseren belehren.