26. Januar 2012 Leipziger Volkszeitung

Interview mit Claus Friedrich Holtmann, Geschäftsführender Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes

Bad Düben. Der Landkreis Nordsachsen schloss den Neujahrs-Empfangs-Reigen am Dienstagabend im Dübener Heide Spa. Mit den Delitzscher Nordlichtern und Festredner Claus Friedrich Holtmann, Geschäftsführender Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, hatte die Kreisverwaltung zwei begeisternde Höhepunkte auf die Bühne geholt. 400 geladene Gäste erlebten einen abwechslungsreichen Abend und viele Gespräche. Landrat Michael Czupalla (CDU) freute sich über den Optimismus in Deutschland und Holtmann gab Einblicke in die Finanzwelt und die Auswirkungen der Krise.

In Ihrer Rede haben Sie gesagt, dass "wir uns in zehn Jahren durch die Krise geschwitzt haben". Ist in zehn Jahren alles überstanden?
Die akuten Teile der Krise werden wir früher bewältigen. Aber wir müssen mit den Folgen leben und darauf achten, dass unser Lebensstandard in Deutschland erhalten bleibt. Wir müssen uns aber auch damit abfinden, dass es in den nächsten zehn Jahren keine riesigen Zuwächse gibt. Die Krise lässt sich nur mit einem guten Wirtschaftswachstum bewältigen. Wir müssen den Mittelstand stärken und unseren weltwirtschaftlichen Stand halten. Also weiter für die Globalisierung und einen weltweiten Handel eintreten, aber auch gleichzeitig regionale Werte erarbeiten.
Sie fordern immer wieder, optimistisch zu sein. Wie sieht dieser Optimismus im Alltag aus?
Wirtschaft kann nur funktionieren, wenn auch alle das Vertrauen darin haben, das es wirtschaftlich weiter geht. Auch wir als Sparkasse müssen dafür kämpfen, indem wir dem Mittelstand Kredite gewähren, den Kunden helfen, seriöse Geldanlagen zu finden. Ich bin optimistisch und glaube, dass wir in Deutschland auf dem richtigen Weg sind. Viele haben in Deutschland erkannt, dass wir nicht aufgeben dürfen, dass wir in Europa eingebettet sein und unseren Partnern helfen müssen. Das muss wie in einer Familie geschehen. Wer einem Familienmitglied hilft, der sollte erwarten können, dass sich das Familienmitglied dementsprechend verhält.
Mit Dankbarkeit allein ist das aber nicht getan. Was ist dementsprechendes Verhalten mit Blick auf Griechenland?
Ich möchte keine Dankbarkeit einklagen. Vielmehr klage ich richtiges Verhalten ein. Wir werden gemeinsam in Europa über Regelwerke sprechen müssen. Vielleicht müssen auch wir ein wenig griechischer werden. Wir brauchen auf jedem Fall gemeinsame, verträgliche und verständliche Regeln.
Wie optimistisch sind Sie?
Ich vergrabe mein Geld nicht. Ich habe etwas in Immobilien angelegt, habe Aktien gekauft, habe Geld bei der Sparkasse angelegt. Wenn ich jetzt mein Geld wiederhaben möchte, gibt es keine hohen Zinsen. Wenn ich sehr hohe Zinsen kriege, muss ich Angst um mein Geld haben. Ich habe mich für den sicheren Weg entschieden.
Was empfehlen Sie dem Otto-Normal-Bürger?
Ich rate nicht zum verbissenen Sparen. Das Schöne gehört zum Leben. Zum Leben gehört aber auch die Sicherheit eines Spargroschens. Wer viel Geld anzulegen hat, der sollte sich beraten lassen, ich empfehle natürlich den Sparkassenberater. Wir versuchen, immer zu verstehen, was unsere Kunden erreichen wollen. Es gibt nur wenige Kunden, denen man auch spekulative Geschäfte empfehlen kann. Kleinere Geldanlagen würde ich immer nach dem Prinzip Sicherheit anlegen. Ich möchte mein Geld schließlich wiederhaben.

Interview: Frank Pfütze