Kreisgebiet. Der Vorsitzende des Schulausschusses des Kreistages Nordsachsen, Heiko Wittig (SPD), diskutierte in Laußig mit Eltern über die Grundschulstandorte in Laußig und Authausen. Laußig soll geschlossen werden. Die Kreiszeitung sprach dazu mit Wittig.
Frage: Der Gemeinderat hat die Schließung von Laußig abgesegnet. Sie empfehlen, den Beschluss aufzuheben. Warum?
Heiko Wittig: Die Mehrheit des Gemeinderates hat beschlossen, die Grundschule in Laußig in Kürze zu schließen, um die in Authausen in sicheres Fahrwasser zu bekommen. Und das, obwohl im Ergebnis einer Befragung im Rahmen einer Studie zum "Wohnenbleiben und Altwerden in der Gemeinde Laußig", an der über 1000 Einwohner teilnahmen, die Forderung nach Erhalt des Schulstandortes Laußig als ganz besonders wichtig hervorgehoben wurde. Zudem sind die aktuellen als auch die zukünftigen Schülerzahlen in Laußig höher als in Authausen.
Sie würden also die Schließung der Grundschule Authausen favorisieren?
Auf keinen Fall. Warum sollen Grundschulen, die knapp unter der Mindestschülerzahl liegen, geschlossen werden, wenn freie Schulen mit weniger als zehn Schülern eine 1. Klasse bilden dürfen und die Mindestschülerzahl im benachbarten Sachsen-Anhalt zehn beträgt? Das Kultusministerium Sachsens muss endlich die Schraubzwingen für die kleinen Sachsen an den staatlichen Schulen, zumindest im dünn besiedelten ländlichen Raum, lockern. Ich kann dem Gemeinderat nur dringend raten, den gefassten Beschluss aufzuheben und um beide Schulstandorte zu kämpfen.
Nachdem im vergangenen Jahr vier weitere freie Träger die Genehmigung zur Führung einer Schule erhielten, stieg die Zahl der allgemeinbildenden Privatschulen in Sachsen auf 173. Grund zur Besorgnis oder belebt Konkurrenz das Geschäft?
Ernst wird es, wenn freie Schulen die Existenz staatlicher Schulen gefährden, erst recht, wenn es sich um Grundschulen im ländlichen Raum handelt. Absolut unverständlich wird es, wenn man die Bedingungen vergleicht. Einige Grundschulen müssen um ihr Fortbestehen bangen, weil die Mindestschülerzahl 15 knapp verfehlt wird. Die freien Schulen beispielsweise in Zwochau und Torgau dagegen erreichen aktuell in keiner der Klassenstufen eins bis vier auch nur annähernd die Mindestschülerzahl.
Laußig und Authausen liegen immer wieder dicht an der 15er-Grenze und fürchten, dass Kinder in der freien Grundschule Bad Düben eingeschult werden. Berechtigt?
Hier liegt der Hase im Pfeffer. Zum einen trifft die noch so geringe Abwanderung an freie Schulen die staatlichen Schulen hart und zum anderen interessieren bei freien Schulen niemanden die Schülerzahlen. Das ist ein Widerspruch, der nicht länger hinzunehmen ist.
Interview: Frank Pfütze