6. Januar 2012 Frank Pfütze (Leipziger Volkszeitung)

Landkreis wehrt sich gegen Bewertung

Landrat und Dezernentin widersprechen Gillos Tüv des Asylbewerberheimes Spröda


Spröda. Sachsens Ausländerbeauftragter Martin Gillo (CDU) hatte Ende Dezember den bundesweiten ersten "Heim Tüv der Sächsischen Gemeinschaftsunterkünfte" vorgelegt. Danach landet das Asylbewerberheim Spröda bei Delitzsch unter den 30 Heimen auf Rang 23. Torgau, das inzwischen geschlossen ist, gar auf dem letzten Platz. Der Landkreis verteidigte gestern den Standard des Heimes in Spröda, das saniert und erweitert wurde. Gillo wurde für den nächsten Kreistag eingeladen. Am 21. März soll er hier einen Vortrag zur aktuellen Heim-Situation halten. Dabei soll es weitere Informationen geben.
Von den 30 Heimen in Sachsen erhielten sechs die Bewertung rot und damit sehr schlecht. 19 liegen im Mittelfeld und stehen unter Beobachtung (gelb). In diesem Bereich befindet sich auch Spröda. Lediglich fünf Heime sind mit grün bewertet. Landrat Michael Czupalla (CDU) und Dezernentin Angelika Stoye widersprachen gestern einigen Aussagen und Bewertungen. Das Heim in Spröda zählt nach der Auflösung von Torgau nun 205 Bewohner. "Natürlich sind das keine Hotel-Zimmer. Es ist eine Übergangslösung", sagte Stoye. Nur etwa anderthalb Prozent der einreisenden Asylsuchenden werden anerkannt. 98,5 Prozent müssen wieder ausreisen, sofern im Heimatland keine Gründe (beispielsweise Lebensgefahr) vorliegen, die eine Rückreise nicht ermöglichen.
Die Schließung von Torgau wurde veranlasst, bevor Gillo im Dezember eine Schließungsempfehlung aussprach. Czupalla: "Spröda erfuhr Bewertungen, die bedauerlicherweise nicht die aktuelle Situation vor Ort widerspiegeln." So wurde kritisiert, dass alleinstehende Frauen, Familien und a0lleinerziehende Asylbewerber mit Kind keine angemessenen Bedingungen in Spröda vorfinden. Spröda wird jedoch seit seiner Inbetriebnahme vor über 15 Jahren und auch künftig nur als Gemeinschaftsunterkunft für Männer genutzt. 159 Familien, alleinstehende Asylbewerber mit Kindern sind im Landkreis in Wohnungen untergebracht, die sich in den Städten befinden, mit guter infrastruktureller Erschließung die unter anderem Einkaufsmöglichkeiten, Arztbesuche und Schulbesuche im wohnnahen Umfeld ermöglichen. Der Sozialdienst berät die Familien gemeinsam mit den Trägern der Wohlfahrtspflege zu den wichtigsten Alltagsbedingungen.
Vor allem aus Nordafrika sei der Ansturm nach den dortigen Unruhen inzwischen wieder größer. Das Prozedere ist dementsprechend lang. Bis ein Asylantrag entschieden werde, können sieben, acht Jahre vergehen. Darauf habe der Landkreis keinen Einfluss. Die Anträge werden in Chemnitz bearbeitet. Stoye: "Wir sind nur für die Unterbringung verantwortlich. Das tun wir nach unseren Möglichkeiten."
Gar keinen Eingang in die Bewertung fand die bereits im November gestartete Vorbereitungsklasse am Berufsschulzentrum Delitzsch, in der Asylbewerber Deutsch lernen können. Schulanlaufberatungen sind für jeden ankommenden Asylbewerber unter 27 Jahre Pflicht. Der Sprachkurs "Deutsch für Asylbewerber und geduldete Ausländer 2012" fand ebenfalls keine Berücksichtigung in der Bewertung. Dieser Kurs startet in der Gemeinschaftsunterkunft in Spröda planmäßig in diesem Monat. Alle Asylbewerber sind teilnahmeberechtigt. In den Beurteilungen fand ebenfalls keine Eintragung, dass es ein breites Sportangebot gibt sowie einen dort nutzbaren Internetzugang für die Bewohner. Die Gemeinschaftsunterkunft befindet sich nur wenige Meter vom ÖPNV-Angebot entfernt.
Vom Betreiber wurden und werden umfangreiche Sanierungs-, Instandsetzungs- und Umbaumaßnahmen innerhalb der Liegenschaft durchgeführt und weiter fortgesetzt, informiert die Behörde. So wurden beispielsweise die Dächer aller Häuser sowie die Sanitärbereiche im Haus 2 saniert, die Sanitärbereiche in den anderen Häusern sowie die Küchen erneuert. Fenster und Türen stehen im ersten Halbjahr dieses Jahres an. Der komplette Neuausbau des Hauses 4 ist realisiert, Zimmer wurden modernisiert, Küchen und Herdplätze an die Anzahl der Bewohner angepasst.