25. Januar 2012 Frank Hörügel (Leipziger Volkszeitung)

"Mein Name ist nicht Programm"

Michaela Ungethüm ist die neue Chefin des Jobcenters Nordsachsen und will Langzeitarbeitslosen eine Chance geben

Oschatz. "Mein Name ist nicht Programm", stellt Michaela Ungethüm klar. Die 38-Jährige ist seit Jahresanfang die neue Geschäftsführerin des Jobcenters Nordsachsen und damit für 17 432 Hartz-IV-Empfänger im ganzen Landkreis Nordsachsen und 300 Mitarbeiter zuständig.
Dass im Chefbüro in der Oschatzer Oststraße nach Frank Germer jetzt eine Frau sitzt, fällt sofort ins Auge. Prächtige Orchideen bringen Farbe in den Raum. Die geborene Thüringerin hat die Fotos ihrer sechsjährigen Zwillinge aufgestellt, eine Bildertafel aus ihrer Zeit im Arbeitsamt Bitterfeld an die Wand gehängt und einen roten Schirm mit dem Signet der Bundesagentur für Arbeit und Unterschriften ehemaliger Kollegen aufgespannt. Auf dem Schirm steht: Wir lassen Sie nicht im Regen stehen.
20 Jahre ist es her, als die Sonnebergerin ihre berufliche Laufbahn unter dem Dach des Arbeitsamtes mit einem Studium begann. Das schloss sie 1995 als Diplom-Verwaltungswirtin ab. "Ich wollte von Anfang an in den öffentlichen Dienst und hatte auch eine Zusage vom Finanzamt. Meine Mutter arbeitete beim Arbeitsamt und sagte zu mir: Guck dir den Laden mal an. Die Vielfalt und das Spektrum der Aufgaben haben mir gefallen", begründet sie ihre Berufswahl. Stationen auf ihrem Weg nach Oschatz waren die Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen, das Arbeitsamt Bitterfeld, die Arbeitsgemeinschaft Burgenlandkreis und schließlich die Regionaldirektion Chemnitz.
Ihren ungewöhnlichen Nachnamen trägt Michaela Ungethüm seit ihrer Hochzeit vor sieben Jahren. Ihr Mann betreibt eine Landwirtschaft im Nebenerwerb im erzgebirgischen Crinitzberg bei Zwickau. "Ungethüm ist ein typischer Name aus dem Erzgebirge und bedeutet die Standhaften", sagt die 38-Jährige. Die Ungethüms bewirtschaften 15 Hektar Acker, halten Schafe, Hühner und seit ein paar Tagen auch ein Schwein. "Das haben die Kinder gewonnen", sagt die sportliche Frau, die sich mit Nordic Walking fit hält. Die Ausdauer wird sie in ihrem Job gut gebrauchen können. Denn für das Erreichen der Ziele, die sich die Chefin des Jobcenters gesetzt hat, braucht sie einen langen Atem. "Ich möchte die mehr als 10 000 Menschen, die länger als zwei Jahre bei uns sind, qualifizieren und an den Arbeitsmarkt heranführen. Und ich möchte die Jugendarbeitslosigkeit verringern. Über die Hälfte dieser Jugendlichen ist länger als sechs Monate ohne Beschäftigung. Die müssen aufpassen, dass sie noch den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt schaffen", nennt Michaela Ungethüm die Probleme.
Völlig unproblematisch hat sie dagegen in Oschatz Fuß gefasst und hier eine kleine Wohnung gemietet. "Ausschließlich positiv bin ich aufgenommen worden. Die Offenherzigkeit und Warmherzigkeit der Oschatzer gefallen mir", sagt die 38-Jährige. Die Trennung von ihrer Familie während der Arbeitswoche lässt sich so etwas leichter ertragen.