15. Dezember 2011 Andreas Tappert (Leipziger Volkszeitung)

Neues Millionenloch im Budget für den Nahverkehr

Zweckverband will Zug-Angebote streichen, weil Stationspreise steigen

Leipzig. Im hiesigen Bahnverkehr drohen Einschränkungen. Die Bahn-Tochter DB Station & Service erhöht im Ballungsraum Leipzig die Stationsentgelte, die für die Nutzung von rund 100 Bahnhöfen zu zahlen sind. Sie steigen zum 1. Januar um durchschnittlich 23 Prozent und sollen mit der Reduzierung von Zugangeboten kompensiert werden.

Betroffen von der Anhebung ist der Zweckverband Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL), der in Leipzig sowie in den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen den schienengebundenen Nahverkehr organisiert - also alle S-Bahnen, alle Regionalbahnen und alle Regional-Express-Bahnen. Die Verbandsversammlung des ZVNL hat erst am 15. November den Haushalt 2012 beschlossen, der jetzt wieder auf den Prüfstand kommt. "Wir haben über das Internet erfahren, dass die Station & Service am 17. November die Stationsentgelte angehoben hat", schildert ZVNL-Geschäftsführer Oliver Mietzsch die Situation. "Das führt bei uns zu zusätzlichen Kosten von 2,4 Millionen Euro."
In einem Spitzengespräch wurde versucht, DB Station & Service zu einer Rücknahme der drastischen Preisanhebung zu bewegen. Denn so stark wie der ZVNL sei kein anderer Nahverkehrsverband in Deutschland von der Anhebung betroffen, heißt es. "Die Kalkulation ist völlig intransparent", skizziert ZVNL-Projektmanager Bernd Irrgang die Situation. Die Kalkulation würde zwar von der Bundesnetzagentur überprüft, aber es gebe Anzeichen dafür, dass Station & Service viel zu teuer agiere. Bei einer Stichprobe sei zum Beispiel festgestellt worden, dass Papierkörbe angeschafft wurden, die dreimal so teuer sind wie die üblichen Behälter, aber längst nicht so vandalismusresistent. "Wir fordern, dass Station & Service die Kosten offenlegt", sagt Mietzsch. "Denn höhere Stationspreise bedeuten die Abbestellung von Verkehrsleistungen."
Weil die DB-Tochter keine Bereitschaft zur Reduzierung der Anhebung zeigt, hat der ZVNL kurzfristig eine Verbandsversammlung einberufen. Sie wird am 21. Dezember entscheiden, welche Verkehrsleistungen nicht mehr angeboten werden können. Denkbar seien das Einkürzen von Strecken und die Reduzierung von Zugverbindungen, heißt es